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Eine Welle des Unverständnisses vereint derzeit die Bürger im Alsdorfer Stadtteil Ofden. Zu Beginn des Jahres wurde den Anwohnern durch die Stadt Alsdorf mitgeteilt, dass umfangreiche Kanalsanierungsarbeiten erforderlich seien. Dabei sollen auch die Bürger zur Kasse gebeten werden. Dass die Forderung der Stadt bei den Bürgern für Ärger sorgt, zeigt auch die Gründung einer Bürgerinitiative. Alsdorf für Insider sprach mit Thomas Bindels, dem frisch gewählten Vorsitzenden der „Bürgerinitiative Alsdorf-Ofden“, über das Problem und den Unmut bei den Ofdenern.

Frage: Wie kam es zur Gründung der Bürgerinitiative?

Thomas Bindels: Ursprünglich haben wir mit ein paar Interessierten eine „Interessengemeinschaft Ofdener Bürger“ gebildet, da wir mit dem Vorgehen der Stadt bei der Kanalsanierung nicht einverstanden waren und uns gedacht haben, dass man hier etwas tun muss. Es gibt genug Bürger in Ofden, die sich nicht wehren können. Wir haben aber nach einigen Gesprächen mit der Stadt  gemerkt, dass man uns als Interessengemeinschaft nicht wirklich ernst nimmt. So war dann die Gründung einer Bürgerinitiative letztendlich notwendig, um den Druck auf die Stadt zu erhöhen.

Frage: Was genau ist eigentlich bei der Kanalsanierung in Ofden für Sie als Bürgerinitiative das Problem?

Thomas BindelsBindels: Die Bürgerinitiative und auch die Ofdener Bürger haben grundsätzlich mit der eigentlichen Sanierung gar nicht das Problem. Wir sehen ein, dass der teilweise über 50 Jahre alte Kanal in Ofden sanierungsbedürftig ist. Dass hier der Umwelt zu Liebe etwas getan werden muss, ist für uns völlig okay. Auch, dass wir als Bürger einen finanziellen Beitrag dazu leisten sollen, ist irgendwo nachvollziehbar. Bei uns stößt aber die Art und Weise, wie die Stadt dies in Ofden durchführt, auf Kritik. Dabei muss man auch wissen, dass die Sanierung des Hauptkanals über die Stadt finanziert wird. Bei der notwendigen Sanierung der „Hausanschlüsse“ werden allerdings für den Bürger unserer Meinung nach ungerechtfertigt hohe Kosten entstehen. Von der Vorinformation der Bürger ganz zu schweigen.

Frage: Wie ist die Stadt denn auf die Bürger zugekommen beziehungsweise wie wurden Sie den aufgeklärt und informiert?

Bindels: Im Vorfeld eigentlich gar nicht. Im Februar 2008 erhielten wir erstmals ein Anschreiben der Stadt, genauer gesagt des Eigenbetrieb Technische Dienste, in dem die Kanalsanierung sowie die Sanierung der Hausanschlüsse in Ofden angekündigt wurden. Obwohl die Baumaßnahme seit rund zwei Jahren in Planung ist, wurden die Anwohner erst im Februar recht kurzfristig informiert. Wir hätten es besser gefunden, wenn die Stadt diese Informationen früher an die  Anwohner weitergegeben hätte. Dann hätten sich die Bürger auch finanziell darauf vorbereiten können. Eine vom Siedlerverein Ofden mit Vertretern der Fraktionen und Vertretern der Stadt einberufene Bürgerversammlung Anfang April 2008 sorgte im Endeffekt leider auch nicht für Klarheit, da die Stadtvertreter sich zum Teil widersprachen. Von Seiten der Stadt wäre so eine Veranstaltung gar nicht erst angeboten worden, wenn man von anderer Stelle nicht darauf gedrängt hätte.

Frage: Und was sagen Vertreter der Stadt zu diesen Vorwürfen?

Bindels: Die für dieses Thema Verantwortlichen verweisen hier darauf, dass in öffentlichen Ratssitzungen und vor langer Zeit einmal etwas dazu in der Zeitung gestanden habe. Somit habe man, ihrer Meinung nach, der Informationspflicht Genüge getan.  Unter bürgerfreundlicher Information verstehen wir aber etwas anderes und haben auch an den Bürgermeister appelliert, dieses Vorgehen bei kommenden Maßnahmen nochmals zu überdenken. Schließlich trifft diese Sanierungsmaßnahme künftig auch noch andere Stadtteile. Außerdem enthielt das Schreiben eine Art „Blanko-Auftragsbestätigung“, die wir für rechtlich bedenklich halten und die wahrscheinlich viele Bürger unterschrieben haben, ohne sich der Konsequenzen bewusst zu sein.

Frage: Und welche Konsequenzen hat das für den Bürger? Was muss der Einzelne denn da an Kosten erwarten?

Bindels: Das Thema ist sehr komplex. Werden für die Sanierung des Hauptkanals die Kosten durch die Stadt übernommen, kalkuliert man bei der Hausanschlusssanierung einen Betrag von derzeit 750,00 Euro pro laufendem Meter Hausanschluss auf städtischem Gebiet.  Diese Kosten erscheinen uns definitiv zu hoch, zumal die Stadt die Kalkulation der Kosten für uns auch nicht transparent macht. In anderen Stadtteilen sind diese Sanierungsmaßnahmen für weitaus weniger Geld durchgeführt worden. Da ist also offensichtlich einiges im Argen.

Thomas BindelsBei dem Preis von 750,00 Euro kämen bei einem defekten Hausanschluss durchaus schnell ein paar tausend Euro für den Einzelnen zusammen, wenn man bedenkt, dass die Strecke vom Hauptkanalanschluss bis zur Grenze des eigenen Grundstücks durch den Hausbesitzer zu zahlen ist und man bei einer durchschnittlichen Straße mit Bürgersteig da schon schnell einmal eine Länge von vier bis fünf Metern erreicht. Bei einigen Anwohnern ist es auch etwas weniger, bei anderen aber auch viel mehr. Insbesondere für die finanzschwächeren Anwohner wird das dann sehr schnell zum Problem.  Die Stadt hat dazu eine Ausschreibung durchgeführt und schreibt dem Bürger die Art der Sanierung auf öffentlichem Grund vor. Der Bürger hat hier also keinerlei Einfluss und muss Kosten bezahlen, ohne die Sanierungsart oder den Anbieter aussuchen zu können. Zumindest auf dem eigenen Grundstück kann der Anwohner in einem vorgegebenen Rahmen wählen, wer was auf welche Art saniert.

Frage: Gibt es denn da Alternativen?

Bindels: Ja, man hat bei der Sanierung der Hausanschlüsse technisch mehrere Möglichkeiten. Einmal über ein sogenanntes „Inlinerverfahren“, bei dem eine Art Kunstharzrohr in die Hausanschlusskanäle eingezogen wird und der Kanal von innen „Rohr-in-Rohr“ saniert wird. Zum anderen durch eine „offene Bauweise“, bei der ein Graben ausgehoben und das alte Tonrohr durch ein Kunststoffrohr ersetzt wird. Die “offene Bauweise“ wurde von der Stadt gewählt, ist aber unserer Meinung nicht die preiswerteste Methode. Dies wird aber durch die Stadt bestritten, die sich hier im Rahmen ihrer Ausschreibung sogar darauf beruft, Kosten von einer Million Euro „eingespart zu haben“. Aber Sie sehen, die Thematik ist sehr umfangreich und für den Einzelnen kaum zu durchschauen. Das war ja auch der Grund, warum an der Bürgerversammlung seinerzeit sehr viele Anwohner teilgenommen haben.

Frage: Und was will Ihre Bürgerinitiative jetzt erreichen?

Bindels: Uns geht’s in erster Linie darum, gerade auch die finanzschwächeren oder älteren Mitbürger zu unterstützen, die sich vielleicht auch selber nicht helfen können. Wir konnten bereits einen kleinen Teilerfolg erzielen. Durch Kontakte ist es uns gelungen, dass die Sparkasse Aachen den finanzschwächeren Bürgern Sonderfinanzierungen anbietet. Das könnte den finanziellen Druck auf den Einzelnen zumindest etwas abschwächen. Ebenso hat man uns auf gezielte Nachfrage  zugestanden, dass die Bürger im Hinblick auf die eben angesprochene „Blanko-Auftragsbestätigung“ von Ihrem Widerspruchsrecht Gebrauch machen können. Im Klartext:  jeder, der diese Erklärung unterschrieben hat, kann diese widerrufen, solange die von der Stadt beauftragte Firma noch nicht tätig wurde.

Thomas BindelsZum anderen wollen wir durch Gespräche mit den Verantwortlichen erreichen, dass die Stadt die Kostenplanung für den Anwohner noch einmal überdenkt. Das letzte Gespräch hierzu mit Vertretern der Stadt brachte allerdings kein befriedigendes Ergebnis. Wir sind aber gesprächsbereit, wenn die Stadt auf uns zukommt. Die Bürgerinitiative ist stark, wenn viele Ofdener Bürger sich mit engagieren. Die Resonanz der Bürger ist da auch durchweg positiv. Seit unserer Gründung am 20 Mai haben wir bereits über 130 Mitglieder für die Bürgerinitiative gewinnen können. Wobei  jedes Neumitglied in der Regel für einen Haushalt steht. Man sieht also, dass die Ofdener interessiert sind. Wir wollen erreichen, dass die Kosten für die Bürger überschaubar und nachvollziehbar sind und der Bürger hier nicht in den finanziellen Ruin getrieben wird. Und dafür werden wir weiter kämpfen – notfalls mit allen rechtlichen Mitteln, die uns zur Verfügung stehen. Auch wenn uns eine sachliche Auseinandersetzung lieber wäre. 

Interessant wird die Problematik in den nächsten Jahren sicherlich auch für andere Stadtteile sein, wo solche Maßnahmen noch anstehen. Wer sich dazu näher informieren will, kann das auf unserer Homepage ( www.igob-alsdorf-ofden.npage.de ) tun oder uns einfach einmal kontaktieren  ( E-Mail:  igob-alsdorf@t-online.de ). Wir stehen gerne zur Verfügung und freuen uns über jede Unterstützung. Danke an dieser Stelle auch noch einmal an“ Alsdorf für Insider“ für das Interesse an unserem Problem.

Kontakt:

Thomas Bindels     
Vorsitzender               
Tel. (02404) 948756 (ab 17:30 Uhr)

Friedhelm Rech
2. Vorsitzender
Tel. (02404) 61111 (zwischen 7:00 Uhr und 17:00 Uhr)

E-Mail: igob-alsdorf@t-online.de
Web: igob-alsdorf-ofden.npage.de

Alsdorf, 8. Juni 2008