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Franz Plum räumt aufEine Ära geht zu Ende. Und kein Alsdorfer weint ihr eine Träne nach. Nicht einmal ich, der zu gern in Erinnerungen schwelgt. Es geht um die Rot-Ruine, die nach einem Brand 2001 knapp sieben Jahre vor sich hin gammelte. Da lange keine Sanierung des Geländes in Sicht war, nannte ich das Trümmerareal 2006 im Tagebüchlein bereits liebevoll "Alsdorfs Akropolis". 2007 sah ich die Sache weniger entspannt, schließlich fanden sich auf dem Gelände nach all den Jahren auch noch Giftstoffe. Als man seitens der Verwaltung die Sache ignorierte beziehungsweise herunterspielte, wurde es in meinen Augen nur noch schlimmer.

Das sieht doch schon ganz gut ausJetzt ist die Sache endlich vorbei: Für 46.000 Euro erwarb der Alsdorfer Unternehmer Franz Plum das Gelände Mitte Februar 2008 im Zuge einer Zwangsversteigerung. Und inzwischen rollt der Bagger und die Schuttberge lichten sich, wie die aktuellen Fotos (oben, rechts) des "Alsdorf-für-Insider"-Lesers Wolfgang Tribbels aus Schaufenberg beweisen. Doch: Obwohl dieser Schandfleck demnächst aus dem Stadtbild verschwunden sein wird, gibt es meiner Ansicht nach noch zwei weitere Liegenschaften in Halden City, die man sich einmal näher anschauen sollte. Der Sachverhalt: Im Falle beider Objekte weiß der Bürger nicht wirklich, wie deren aktuelle Situation zu bewerten ist. Anziehungspunkte für Mülltouristen, lichtscheue Gestalten oder frustrierte Jugendliche etwa? Unter dem Titel "Traum-Immobilien" stellt "Alsdorf für Insider" sie in einigen Bildern einmal vor: 

Das Haus an der Waldstraße im Frühjahr Dieses schmucke Hochhaus liegt an der Waldstraße. Wie unschwer zu erkennen ist, lebt niemand mehr in dem Gebäude. Auf Grund dessen bezeichnete ein Bürger unserer Stadt den Komplex im vergangen Jahr als "Alsdorfer Geisterhaus". Als ich einem guten Freund davon berichtete und arglos formulierte: "In Alsdorf gibt's offenbar ein Geisterhaus", erhielt ich staubtrocken zur Antwort: "Du meist sicher das Große in der Hubertusstraße..." Wie auch immer. Jedenfalls habe ich mir das Gebäude an der Waldstraße zweimal angeschaut. Und ich muss sagen: Ich hätte Schlimmeres erwartet. 

Das Haus an der Waldstraße im HerbstBereits im Oktober des Vorjahres, kurz nachdem ich den Hinweis erhalten hatte, war ich das erste Mal da. Und was soll ich sagen? Es sah eigentlich ganz ordentlich aus - für Alsdorfer Verhältnisse zumindest. Wenigstens waren keine Müllhaufen zu entdecken. Dafür jedoch etwas anderes...

Autos neben dem Eingang.... diese beiden Autos ohne Nummernschild nämlich. Direkt neben den Eingang geparkt. Die dunkle Limousine freilich muss schon eine ganze Weile dort gestanden haben. Und auch mit dem Wegfahren des Wagens war das so eine Sache...

Die Luft ist raus... Denn hier war erst einmal die Luft raus.

Hier stand die Villa des EBV-BossesDie zweite Traum-Immoblie befindet sich in Mariadorf am Dreieck (Foto links). Hinter den Mauern stand einst die Villa des damaligen Alsdorfer EBV-Chefs. Nachdem das Gebäude dem Erdboden gleichgemacht worden war, tat sich viele Jahre lang nichts hinter dem verrammelten Zaun. Oder sagen wir besser: von offizieller Seite her tat sich nix.

Ab durch die MitteDenn nebenan an der Eschweilerstraße haben offenbar Jugendliche den grünen Drahtzaun geöffnet, um auf einem Umweg bequem aufs Gelände schlüpfen zu können. Ich selbst habe mich nicht getraut, den Durchgang zu benutzen, da ich keinerlei Reiz dabei empfinde, ohne Genehmigung fremde Grundstücke zu betreten. Vielmehr habe ich die Außenmauer einer intensiveren Betrachtung unterzogen.

Marode MauerUnd was entdecke ich hier? Beste Alsdorfer Bausubstanz... Zugegeben, es ist schon ein wenig bröckelig und marode. Aber für Alsdorfer Verhältnisse eigentlich noch ganz okay. Und hätte ich noch meine rosa-rote Designer-Brille dabei, ja dann wär's echt super hier!

Ingesamt gesehen scheint es, als bestehe auch bei diesen beiden Alsdorfer Traum-Immobilien Handlungsbedarf. Doch wer soll sich der Sache annehmen? Da gibt's im Rathaus beispielsweise einen, der hat - so erfuhr ich kürzlich - nicht ganz so viel zu tun. Wegen mach Spitzenleistung musste er gar zum Jahreswechsel seinen Stuhl auf der zweiten Etage räumen, um auf der sechsten Etage des Hauses ein neues Büro zu beziehen. Ja, da ist er nun: unser hoch geschätzter Baudezernent, genannt Denkmal-Harry. Und er ist dort wirklich gut aufgehoben - mit fast leerem Schreibtisch und ungetrübtem Haldenblick. So bleibt ihm inzwischen genügend Zeit, sich neuen Herausforderungen zu widmen - der Klärung offener Fragen in Zusammenhang mit oben genannten Traum-Immobilien beispielsweise, damit Halden City auch an diesen Orten künftig weniger trostlos ausschaut.

Wenn dies als Herausforderung nicht ausreichen sollte, noch ein weiterer Tipp von mir: Europas Weltraumagentur ESA sucht seit kurzem vier neue Astronauten. Da wär's doch echt Klasse, wenn auch ein Alsdorfer den Weltraum erobern würde. Ehrlich. Ach, was sage ich? Denke ich auch an die anderen Spitzenkräfte in der City Hall, sollten sich gleich mehrere Jungs aus der Verwaltung für den Job im All bewerben. Die sind zwar fast alle über 50, aber nicht erst seit dem Hollywood-Streifen "Space Cowboys" aus dem Jahr 2000 mit Clint Eastwood, Donald Sutherland, Tommy Lee Jones und James Garner wissen wir, dass man auch im fortgeschrittenen Alter in der Schwerelosigkeit seinen Mann stehen kann. 

Alsdorf, 25. Mai 2008