Haarsträubendes aus Halden City: In einem Leserbrief beschreibt die Alsdorfer Bürgerin Christiane Kunze in anschaulicher Form, was einen in einer so genannten "Bürgersprechstunde" im Rathaus erwarten kann, auch wenn man ein noch so wichtiges Anliegen vorträgt. Hier ist ihr Bericht:
"Es steht wieder in der Zeitung: "Ein offenes Ohr für die Anliegen der Alsdorfer Bürgerinnen und Bürger hat Bürgermeister Helmut Klein. Die nächste Sprechstunde findet statt am.... "
Doch hat Herr Klein wirklich ein offenes Ohr für unsere Belange?
Seit Februar 2007 besucht unser Sohn den Städtischen Kindergarten Anna-Park im Willy-Brandt-Ring. Wir selber wohnen in der Robert-Koch-Straße, haben also einen kurzen Weg zum Kindergarten. Die Robert-Koch-Straße ist stark befahren, und der Verkehr ist mit einer Geschwindigkeit von mindestens 50 km/h, meist jedoch "augenscheinlich" mit höherer Geschwindigkeit, unterwegs. Um die Gefahrenquelle Robert-Koch-Straße für die zu Fuß gehenden Kindergartenkinder und ihre Eltern zu beseitigen bzw. zu entschärfen, hatten die beiden Elternvertreterinnen der Gruppen Regenbogen und Sonnenblumen, Frau Rathmann (Foto, r.) und ich (l.), am 10. Oktober 2007 einen Termin in der Bürgersprechstunde bei Herrn Bürgermeister Klein. Bei der telefonischen Anmeldung im Vorzimmer des Bürgermeisters gab ich den Grund der von uns gewünschten Bürgersprechstunde an, d.h. die Verkehrssituation am Städtischen Kindergarten Anna-Park, weshalb zu dem eigentlichen Termin auch Herr Mingers vom Ordnungsamt und Herr Jordans vom Bürgermeisteramt "angefordert" wurden.
Frau Rathmann und ich mussten uns im Rahmen dieser Bürgersprechstunde belehren lassen, dass eine Tempo-30-Zone beim Kindergarten nicht machbar sei, da sowohl die Saar- als auch die Robert-Koch-Straße Zubringerstraßen seien. Zum anderen seien polizeiliche Messungen aus technischen Gründen nicht durchführbar, da der Messweg vom Kreisverkehr bis zur Einmündung Willy-Brandt-Ring zu kurz sei. Auf unseren Einwand hin, dass auf der gesamten Robert-Koch-Straße schneller als die Geschwindigkeitsbegrenzung gefahren werde, hieß es, das könne nicht sein, da die Robert-Koch-Straße verkehrsberuhigend ausgebaut und mit Hindernissen versehen sei. Zudem sei auf Höhe des THW ein Fußgängerüberweg vorhanden.
Die Straße Im Brühl ist seltsamerweise ebenfalls eine Zubringerstraße, diese verfügt über einen Fußgängerüberweg (wenn dies denn einer sein soll) und über eine Lichtzeichenanlage, und auf der Höhe des Kindergartens ist - trotzdem - eine 30er Zone eingerichtet, in der auch regelmäßig kontrolliert wird.
Im Rahmen dieser Bürgersprechstunde wurden wir ferner darauf hingewiesen, dass die Eltern eine "Aufsichtspflicht" hätten. Nach Aussage von Herrn Mingers "seien manche Frauen mehr mit Mullen beschäftigt, als damit, nach ihren Kindern zu schauen..."
Nachdem wir außerdem darauf hinwiesen, dass der Kindergarten Anna-Park aufgrund seiner futuristischen Architektur nicht direkt als Kindergarten zu erkennen sei, wurde uns der Vorschlag unterbreitet, die Fenster des Kindergartens bunt zu bemalen, um die Autofahrer auf den Kindergarten aufmerksam zu machen: doch wie soll eine solche Maßnahme greifen, wenn die Fenster des Kindergartens auf den Anna-Park hinausgehen und von der Straße aus nicht zu erkennen sind?
Schilder in der Art "Kindergarten - Gas weg" seien nicht mehr erlaubt und nirgendwo mehr zu finden. Ein schnödes Schild "Kindergarten" würde nichts bringen, doch wir dürften gerne ein eigenes Schild basteln und dieses auf der stadteigenen Rasenfläche aufstellen. Wir haben auch darauf aufmerksam gemacht, dass der Willy-Brandt-Ring selber eine Spielstraße mit Geschwindigkeitsbegrenzung ist, woran sich allerdings auch die Mehrheit der Autofahrer nicht hält. Die lapidare Antwort von Herrn Mingers trifft alle Eltern ins Mark, die an dieser Straße um das Leben ihrer Kinder fürchten müssen: "Es liegt nun mal in der Natur des Menschen, sich nicht an aufgestellte Regeln, Verordnungen und Gesetze zu halten. Das ist menschlich."
Wir Elternvertreterinnen hatten das Gefühl, dass diese Bürgersprechstunde nur dazu gedacht war, unser Anliegen im Vorfeld abzuschmettern, da in keinster Weise auf unsere Bedenken und Einwände eingegangen wurde, sondern die auch noch mit dem Satz abgetan wurde, dass die Elternvertreter jedes neuen Kindergartensjahres in schöner Regelmäßigkeit diese Gefahrenzonen anprangern. Das hat mit einem offenen Ohr so gar nichts zu tun, vor allem nicht, wenn den Beschwerden der Eltern seit Jahren keine Rechnung getragen wird.
Bisher haben ein oder zwei Kontrollen stattgefunden, allerdings in der Art, dass ein Polizeiwagen, gut und weithin sichtbar, sich an der Einmündung postiert hat bzw. am Kindergarten selber geparkt wurde und die Autofahrer dadurch entsprechend langsamer gefahren sind. Ansonsten hat sich an der Verkehrssituation hier nichts geändert. Es wird weiterhin ungebremst die Robert-Koch-Straße entlanggefahren und auch gerast. Und hier fahren nicht nur Autos, sondern auch Linienbusse und LKW's.
Auf die Vernunft der Autofahrer zu hoffen ist utopisch, denn diese gehen noch nicht mal vom Gas, wenn sie am Straßenrand eine größere Gruppe Kinder sehen. Die Zahl derer, die ihre Geschwindigkeit verringern und sogar am Fußweg anhalten, um den Fußgängern den Vortritt zu geben, ist erschreckend niedrig.
Soviel also zu diesem Thema. Wir hoffen nun darauf, dass, wenn die Schule hier im Anna-Park gebaut wird, sich die Verkehrssituation doch noch ändern und ein Tempolimit geschaffen wird. Doch warum muss erst etwas passieren, ehe die Verwaltung endlich handelt? Warum werden die Anliegen der Eltern nicht ernst genommen?
Kinder sind das schwächste Glied unserer Gesellschaft, doch die Stadtverwaltung tut nichts, um diesen traurigen Satz aufzubrechen. Ganz im Gegenteil: sie untermauert ihn noch. Anders kann man das nicht nennen.
Warum braucht es so lange, bis in unmittelbarer Nähe von Kindergärten, Schulen und sonstigen Einrichtungen für Kinder verkehrsberuhigte Zonen, Fußgängerübergänge, Zebrastreifen oder Ampeln geschaffen werden?
Da müssen Eingaben gemacht werden, Verkehrszählungen unternommen, Termine mit Polizei, Hoch- und Tiefbauamt vereinbart werden, Beratungen in diesem oder jenem Ausschuss erfolgen. Am Ende wird aus Kostengründen meistens gegen die Kinder und für einen flüssigen Straßenverkehr entschieden.
Doch jedes Kind, das durch unzureichend gesicherte Wege in Gefahr gerät, ist ein Kind zuviel!
Daher appelieren wir:
Liebe Stadträte und Kommunalpolitiker,
bauen Sie die Bürokratie ab und entscheiden Sie zügig über sinnvolle Verkehrssicherheitsmaßnahmen für unsere Kinder. Auch wenn die Kosten hoch sein mögen, so kann nichts wichtiger sein als die Gesundheit unserer Kinder. Unsere Kinder brauchen sichere Wege!
Ach ja, um noch einmal auf das offene Ohr zurückzukommen... Zu dem Termin im Oktober musste ich unseren damals dreijährigen Sohn mitnehmen, da ich keine Betreuungsmöglichkeit für ihn hatte. Er hat vom Bürgermeister ein Überraschungsei geschenkt bekommen. Und noch Wochen später, wenn wir darüber sprachen, dass der Bürgermeister nicht wirklich ein offenes Ohr für die Belange seiner Bürgerinnen und Bürger hat, erklärte unser Filius ganz wichtig: "Aber dafür hat der Bürgermeister Überraschungseier!"