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Es sind nur wenige Tage, dann zieht der Mai ins Land. Und mit dem Wonnemonat werden Erinnerungen wach. Erinnerungen an die Festspielzeit in Alsdorf. Denn dem Musical Gaudí, einst im Mai gestartet und obwohl längst verklungen, widmete ich bereits 2006 und 2007 Tagebucheinträge.

Nach Abwanderung des Gaudí-Unterhaltungszirkus aus der „Euro Musical Hall“, der heutigen Stadthalle, blieb die Stadt 1996 leider auf diversen Kosten sitzen. Doch danach kam‘s noch dicker. Da die damaligen Stadtväter Halden City in einer Reihe mit den großen Entertainmentmetropolen der Welt wie New York (Broadway), Paris (Moulin Rouge) oder Moskau (Bolschoi-Theater) wähnten, musste schnell, schneller am schnellsten ein neues Musical her. Aus den USA - woher sonst? Doch heute ist wahrscheinlich auch in Halden City die Erkenntnis gereift, dass jemand, der zufälligerweise in Big Apple sprich: New York eine Art Drehbuch geschrieben hat, nicht automatisch Topp-Autor ist.

Blick auf die StadthalleJedenfalls startete 1997 in der Noch-“Euro-Musical-Hall“, man kann es aus heutiger Sicht ruhig sagen, die Sing- und Tanztheatergurke „Just one World“. Und selbst hart gesottene Musical-Freunde, mit denen ich mich damals über das Sujet austauschte, warnten mich: „Udo, geh da bloß nicht rein, das ist totaler Schrott.“ Doch, was heute nur noch wenige wissen: das Showdesaster wurde für Alsdorf auch zum Finanzdesaster. Die Rechnung nämlich war simpel: Im Falle der Insolvenz der Musicalgesellschaft sollte eine Bürgschaft des Landes NRW der Kommune finanziell den Rücken frei halten. Einziger Haken: Die Bürgschaft sollte erst nach einer klar definierten Spieldauer greifen. Hätten die Musical-Macher also die Ohren steif und in diesem Zeitraum mit ihrem Spielbetrieb durchgehalten, bevor sie Insolvenz anmeldeten, wäre Halden City noch mit einem blauen Auge davon gekommen. Doch das Bühnenspiel muss dermaßen unterirdisch gewesen sein, dass die Jungs schon vorher Pleite machten. Und das bedeutete? Ja, das bedeutete: für Alsdorf das finanzielle K.O. Die Nummer mit der Landesbürgschaft funktionierte nämlich nicht und Halden City blieb nach dem letzten Vorhang auf den Kosten sitzen. Allein. Mutterseelen.

Paul Kuhn & Co.Und nun? Nach Jahren der Enthaltsamkeit auf dem Musical-Sektor sollte nun ein neues Bühnenstück die Herzen des Senioren-Publikums erobern. Titel: „Casino Pique Dame“ mit der 62-jährigen Dunja Rajter sowie dem 73-jährigen Volker Brandt in zentralen Rollen. Neben den Entertainment-Zugpferden von gestern für's betagte und betuchte Publikum sollte Ex-Bro‘sis-Sänger Ross Anthony auch ein paar jüngere Zuschauer in die Stadthalle locken. Geplant waren von Freitag, dem 16. Mai 2008 bis Sonntag, dem 8. Juni 2008 ganze 21 Vorstellungen. Leider haben sich die Mitglieder des Ensembles sukzessive verabschiedet. Ross Anthony, Sieger im RTL-Ekelspektakel „Dschungelcamp“, auf mehr TV-Auftritte hoffend, strich die Segel. Dunja Rajter mochte auch nicht mehr. „Die ist vom Pferd gefallen“, unkte ein Freund, wohl wissend, dass die gebürtige Kroatin offenbar einen Misserfolg fürchtete und daher vorzeitig den Showdampfer verließ. Und Volker Brandt? Auch der verabschiedete sich. Vielleicht plant er in seinem jugendlichen Alter inzwischen noch einen Weltraumflug. Im Aachener Eurogress dagegen buhlen in diesen Tagen übrigens Paul Kuhn, Max Greger & Co. (Foto) mit Big-Band-Sound und Ever-ever-evergreens um die Gunst der Silver Generation in Stadt und Kreis Aachen.

Und noch einmal: die Alsdorfer StadthalleJedenfalls war‘s das erst einmal mit dem Thema Musical in der Alsdorfer Stadthalle. Ganze 130 Karten seien bis Weihnachten übrigens im Vorverkauf für „Casino Pique Dame“ abgesetzt worden, notierte die Lokalpresse am 12. Januar. Angesichts dieser Zahl hätte auch „Casino Pik Sieben“ als Titel für die Show getaugt. Auch „The Magic Night of Dancing Musicals“, geplant am 6. April ab 19:00 Uhr musste „auf Grund mangelnder Nachfrage ersatzlos abgesagt werden“, so im Internet nachlesbar. Ja, offenbar sind die großen Tage des Musicals vorbei. Und kräftig die Werbetrommel rühren, um auf Veranstaltungen anderen Zuschnitts zu hoffen - dafür fehlt naturgemäß das nötige Kleingeld. A propos: „Veranstaltungen anderen Zuschnitts“. Da sollte beispielsweise schon am 10. Mai eine Großveranstaltung der REPs in unserer Stadthalle über die Bühne gehen. Eine richtige Gruselnummer, die dank beherzten Eingreifens der SPD-Fraktion im Rat rechtzeitig gestoppt werden konnte. Aber warum mussten erst die Sozis im Rat aktiv werden und die Notbremse ziehen?

Hm, es ist alles nicht leicht. Denn neben der Stadthalle ist das FOGA-Management seit Jahresbeginn auch in die Sanierung von Tier- und Freizeitpark federführend eingebunden. Kann‘s daher nicht sein, dass im Zuge dieser Doppelbelastung die Braunen mit ihrem Mietansinnen bei den SPD-nahen FOGA-Leuten irgendwie durchgeflutscht sind? Wie auch immer. Eins jedenfalls ist klar: Obwohl die Stadthalle hoch defizitär ist, eins sollte sie auf keinen Fall sein: Plattform für Treffen der ewig Gestrigen. Da sollten die FOGA-Leute demnächst selbst einmal genauer hinschauen. Wobei darauf hinzuweisen wäre, dass die Vertreter der beiden großen Parteien im FOGA-Aufsichtsgremium glücklicherweise und rechtzeitig klar Stellung gegen Rechtsaußen bezogen und die richtigen Gegenmaßnahmen einleiteten. Halten wir also fest: Mangels Interesse abgesagte Musicals sind das eine, braune Propaganda und ein nachhaltiger Imageschaden für unsere Stadt das andere…

Alsdorf, 20. April 2008