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Wir erinnern uns: Am 11. November 2007 ging sie im Tagebuch an den Start: meine kleine Serie mit Alsdorfer Argumenten, die man immer dann zu hören bekommt, wenn es darum geht, dass Vertreter der Verwaltung eine vom Bürger zumindest gerne gesehene Leistung nicht erbringen beziehungsweise nicht erbringen wollen. Vier Argumente habe ich im Laufe der Zeit sammeln und notieren können:

1. Dafür sind wir nicht zuständig.

2.
Die Stadt hat kein Geld.

3. Da sollten die Bürger doch selbst mehr Privatinitiative zeigen.

4. Herr Foerster, woanders sieht es noch viel schlimmer aus…

Das Tor zum Begauer FriedhofNachdem wir uns bereits am 24. Februar auch mit dem Thema „Die Stadt hat kein Geld“ beschäftigt haben, ist heute das dritte Alsdorfer Argument an der Reihe: „Da sollten die Bürger doch selbst mehr Privatinitiative zeigen.“ Leicht gesagt, denn was passiert, wenn die Bürger wirklich Privatinitiative zeigen? Hm. Genau das, was Schlossermeister Norbert Offergeld im vergangenen Jahr erleben musste, als er kostenfrei ein großes Eingangstor für den Begauer Friedhof (Foto) anfertigte. Kein Dank, keine Anerkennung. Erst als der entsprechende Tagebucheintrag in der City Hall Kreise zu ziehen begann, bewegte sich etwas: eine Entschuldigung der Fachgebietsleiterin nebst Dankschreiben seitens des Bürgermeisters trafen bei dem engagierten Bürger ein. Auch was das freundliche Ansinnen des Webmasters Armin Röder und seines Freundes Toni Breuer anging, nachzulesen im Tagebuch, zeigte sich die Kommune nicht unbedingt kooperativ. Warum nur?

Gewiss, ich will keine „ollen Kamellen“ hervorkramen. Dennoch scheint man in der City Hall die Dinge mit zweierlei Maß zu messen: Einerseits Initiative fordern, andererseits diese konsequent ignorieren, wenn nicht gar konterkarieren. Da verwundert‘s kaum, wenn die Bürger „keinen Bock mehr haben - auf diese Stadt“, wie mir neulich ein wenig zufriedener Alsdorfer Einwohner offenbarte. Ich will‘s weniger drastisch formulieren: Wahrscheinlich versteht man sich nicht wirklich auf die Kommunikation mit dem Bürger. Ob‘s an Takt und Fingerspitzengefühl mangelt oder die eigene Funktion in ihrer vermeintlichen Bedeutung als allzu wichtig empfunden wird, mag einmal dahin gestellt sein. Zwar gibt es glücklicherweise rühmliche Ausnahmen, über die ich ebenfalls im Tagebuch berichtet habe. Trotzdem bleibt‘s schwierig.

Wie also sollte man sich verhalten, will man den Bürger zu mehr Engagement im Dienste seiner Heimatstadt motivieren?

Hierzu habe ich einen kleinen Leitfaden entwickelt, der nur drei Punkte umfasst, und damit bequem in jedes Täschchen eines Alsdorfer Kommunalbediensteten passen sollte.

1. Der Bürger will mit seinen Anliegen ernst genommen werden. Klingt eigentlich banal. Ist es aber nicht. Manches Ansinnen des Bürgers mag sogar durch und durch abwegig sein. Dennoch hat er ein Anrecht darauf, dass man ihm den Sachverhalt freundlich und verständlich erklärt. Zumal der Bürger Steuern zahlt, und - sehe ich es einmal aus marktwirtschaftlicher Perspektive - für sein Geld etwas erwarten darf. Letztlich ist der Bürger somit eine Art Kunde. Und der Kunde ist, auch wenn‘s abgedroschen klingt, König.

2. Der Bürger lässt sich nicht gern verschaukeln. Wenn man bei jeder möglichen und unmöglichen Gelegenheit seitens kommunaler Vertreter zu hören bekommt, die „Stadt habe kein Geld“, kann das ganz schön nervtötend sein. Zumal die Stadt 2006 trotz engstem Finanzkorsett, wie wir seit dem 24. Februar wissen, Hunderttausende von Euro für Gutachter, Sachverständige und Dienstleister verballerte. Angesichts dieser Sachlage kann es sich die Kommune durchaus erlauben, Projekte im Dienste des Bürgers zumindest mit symbolischen Zahlungen zu unterstützen - und damit ihren guten Willen unter Beweis stellen.

Der Müll und das Auto vom Ordnungsamt3. Die Repräsentanten der Stadt - Beamte, Angestellte und gewählte Bürgervertreter - besitzen Vorbildfunktion. Wenn Sie sich nicht für den Bürger engagieren, dürfen sie im Gegenzug kaum erwarten, dass sich der Bürger für sie ins Zeug legt. Wer beispielsweise durch Ignoranz besticht, wie dieses Beispiel aus dem Vorjahr (Foto) andeutet, hat keine wirklich gute Karten und wird im Zweifel vom Bürger ebenfalls nicht ernst genommen. Jeder jedoch, der mit gutem Beispiel vorangeht, darf zu Recht erwarten, dass man seine Wünsche berücksichtigt. Es ist wie überall im Leben: ein Geben und ein Nehmen. Setzt sich diese Ansicht durch, wird‘s auch was mit der Privatinitiative des Bürgers.

Damit will ich es einmal gut sein lassen - und nicht ins österliche Moralisieren abgleiten. Immerhin gewinne ich mehr und mehr den Eindruck, dass sich in Halden City die Dinge zum Besseren wenden. Hoffentlich täusche ich mich da nicht. In diesem Sinne: Frohe Ostern.

Alsdorf, 23. März 2008