Im April 2006 habe ich mich erstmals mit diesem Sujet beschäftigt: den Relikten aus der Zechenzeit. Denn die Alsdorfer haben eine Vorliebe für Loren und andere stumme Zeugen aus der Bergbauära unserer Stadt, die 1983 nach rund 150 Jahren zu Ende ging. 2006 widmete ich dem Thema „Loren in Halden City“ zwei Tagebucheinträge. Damals beschloss ich außerdem, die Loren nach ihrem Erscheinungsbild zu kategorisieren und führte die so genannte „Wägelchen-Wertung“ ein. Ja, für ein super-spitzenmäßig-tipp-topp-gepflegtes Ensemble gab‘s die Spitzennote von vier Wägelchen, für eine trostlos und verloren wirkende Lore dagegen war maximal nur ein Wägelchen drin.
Nun, liebe Freunde, geneigte Leser, ist es wieder an der Zeit, das Thema aufleben zu lassen. Und zwar aus zweierlei Gründen. Zum einen steht der Bergbauleerpfad vor dem Abriss und einige der feinen Loren an der Halde Anna 1 (Foto) sollten lieber in Alsdorfer Vorgärten evakuiert werden, anstatt sie der Schrottpresse zum Opfer fallen zu lassen. Zum anderen - und darüber freue ich mich ganz besonders - ging der engagierte „Alsdorf-für-Insider“-Leser Wolfgang Tribbels aus Schaufenberg in den vergangenen Monaten selbst auf Fotopirsch und brachte zahlreiche ansprechende Fotos der für Alsdorfer Gärten und Plätze so typischen Deko-Stücke mit. So präsentieren wir heute an dieser Stelle „Wolles Wägelchen Parade“ mit Fotos und Texten von Wolfgang Tribbels. Herzlichen Dank, lieber Wolfgang!
Ein erster Blick gilt der so genannten "Konditor-Lore". Diese befindet sich im Herzen Alsdorfs - in der Luisenstraße. Zwar dient sie als "Werbeträger" für die dort ansässige Konditorei, aber dennoch, im Arrangement und der Darstellung, ist sie durchaus vier Wägelchen wert. Man beachte zudem den bei der Umgestaltung des Denkmalplatz eigens geschaffenen Sockel!
In Busch kann man ohne viel Suchen eine Lore auf dem Grünen Platz finden. Der erste Eindruck: Hier kümmert man sich! Es mag auch an dem daneben stehenden Mahnmal für Gefallene und Verunglückte liegen. Durch optisch guten Zustand in einem aufgeräumten Umfeld kommen fast vier Wägelchen zusammen.
Ein weiteres "Lörchen" findet sich im Kreuzungsbereich der Mittel- und Ludwig-Kessing-Straße. Hier ist leider festzuhalten, dass sich das gute Stück in einem bemitleidenswerten Zustand befindet! Ungepflegt wirken Umfeld und Bepflanzung. Der optische Eindruck erscheint verschmiert und auch die Rostflecken laden nicht wirklich zum Betrachten ein. Schade, denn auch hier handelt es sich um eine Erinnerung an die Wurzeln unserer Stadt. Leider nur ein Wägelchen.
Zweifelsohne: Diese Lore zählt zur Kategorie Spitzenklasse. Optisch ansprechend und gut in Schuss. Eben in privater Hand. So entdeckt in Zopp.
Lore Nummer 5 findet sich an der Ecke Broicher Straße / Kurt-Koblitz-Ring. Das Foto zeigt das Objekt von der Strasse aus gesehen, mit der allseits bekannten Bergbau-Symbolik. Sehr hübsche Bepflanzung, sauberes Umfeld, gepflegte Erscheinung. Zudem passend arrangiert mit der alten Wasserpumpe...
Gekrönt wird das ganze aber von der Rückseite. Hier findet man eine Zeichnung des alten Gruben-Geländes. Alles in allem hervorragend in Szene gesetzt, volle Punktzahl!
Diese Lore ist in Kellersberg zu Hause. Auch sie ist sehr schön in Szene gesetzt, mit den Steinen ergibt sich ein gefälliges Gesamtbild. Leider wird der Gesamteindruck durch die welk wirkende Bepflanzung etwas getrübt. Deshalb nur drei Wägelchen.
Zum Schluss noch eine echte Verbesserung: Die 2006 bereits gezeigte und bewertete Lore am Bahnhofsplatz wurde offensichtlich renoviert. Die Farbe erscheint in frischem Glanz, das Moos in der Kohle wurde entfernt und die Umgebung aufgeräumt. Ich hab mich unwillkürlich gefragt, ob am Wochenende ein Fest ansteht, und die Stadt glänzen will?!?!. Alles in allem hat sich die Wertung für mich von zwei auf drei Wägelchen erhöht. Vier hätte ich gegeben, wenn noch das Gras aus dem Sockel entfernt worden wäre...
Anmerkung: Inzwischen, am 9. März, weiß ich, dass die Restaurierung dieser Lore auf Initiative des SPD-Ortsvereins Kellersberg im Sommer vergangenen Jahres geschah. Dies teilte mir Birgit Graf mit. Tolle Sache. Spitze, Genossen!
Dieses Wägelchen habe ich selbst in den Sommermonaten an den Angelbassins im Broichtal unterhalb der Broicher Siedlung fotografiert. Ich sage bewusst: Angelbassins, denn die an den Ufern steil abfallenden tiefen Becken haben mit Teichen nur wenig gemein. Hier gehen einige so genannte Sportangler einer eigentümlichen Beschäftigung nach - mit rund fünf Meter langen zusammensteckbaren Kunststoffrohren und anderer High-Tech-Ausrüstung machen sie den gestressten Fischlein den Garaus. Gruselig. Passend dazu - ein abgewracktes Wägelchen, dem ich mit Mühe und Not gerade noch ein Wägelchen im Rahmen der Wertung zugestehen kann.
Metallisch glänzend findet sich an der Blumenrather Straße dieses ansehnliche Exemplar. Unter dem Baum ein nahezu romantischer Anblick. Auch der Rasen ist gepflegt - ein seltenes Bild in Halden City. Daher vier volle Wägelchen für dieses Prachtstück...
Eine Metalltafel an der dem Betrachter zugewandten Seite oben gezeigter Lore erinnert den vorbeiziehenden Spaziergänger übrigens an Alsdorfs Bergbauära. "Ich war ein Diener" (Foto) heißt es darauf...