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Häufig kommt es vor, dass ich von “Alsdorf Für Insider”-Lesern E-Mails erhalte: Anfragen, Themenvorschläge und, was mich besonders freut, viel Lob. Am vergangenen Wochenende empfing ich einen digitalen Brief, der mich eine ganze Weile beschäftigte. Er stammt von Gerd W. aus A. - adressiert an Alfred Sonders, Geschäftsführer der FOGA (Alsdorfer Freizeitobjekte GmbH), die Prinzengarde sowie meine Person. Herr W. bedauert darin, dass am diesjährigen Rosenmontag, den 4. Februar, erstmals der Eintritt zum großen Karnevalsball in der Alsdorfer Stadthalle kostenpflichtig sei. Fünf Euro pro Person seien zu entrichten. Grund dafür sei der Aufwand, der in Zusammenhang mit intensiveren Sicherheitsmaßnahmen in und um den Ballsaal stehe. Der Punkt: Fünf Euro sind, wie man’s nimmt, heute nicht ganz zu vernachlässigen - angesichts der Tatsache, dass der Bürger in jüngster Zeit allerorten kräftigst zur Kasse gebeten wird. Empor schnellende Sprit- und Energiepreise scheinen da nur die Spitze des immer mächtiger werdenden Kosteneisbergs. Dennoch sehe ich in Sachen Sicherheit, verbunden mit entspanntem Feiern, hier die Dinge ein wenig anders. Nichtsdestotrotz halte ich es für wichtig, den Brief - mit freundlicher Genehmigung des Verfassers - zu veröffentlichen. Denn wahrscheinlich steht der Autor mit seiner Ansicht in Alsdorf nicht ganz allein auf weiter Flur…

Gerd W. aus A. schreibt:

Sehr geehrte Damen und Herren,
in der Ausgabe unserer diesjährigen „Karnevalszeitung“ (Beilage in der Super Sonntag) war unter anderem die Rede davon, dass für den Rosenmontagsball in der Stadthalle in diesem Jahr erstmalig Eintritt verlangt wird, um unter anderem die „Security“ für die Veranstaltung zu finanzieren.

Dies ruft bei mir sowie auch bei vielen Leuten in meinem Bekanntenkreis einen gewissen Unmut hervor. Unbestritten ist sicherlich, dass aufgrund der Vorkommnisse mit gewaltbereiten Besuchern eine Security Sinn macht. Dass hier aber die Besucher der Stadthalle am Rosenmontag hierfür zur Kasse gebeten werden, ist meiner Meinung nach nicht in Ordnung.

Karnevalsbrunnen vor der StadthalleWir pflegen mit einer Gruppe von ca. 20 bis 30 Personen schon seit einigen Jahren das Brauchtum Karneval und waren bisher immer gerne Gast in der Stadthalle. In diesem Jahr werden wir uns das wahrscheinlich anders überlegen. Ich denke auch, dass kleinere Gastronomiebetriebe in den einzelnen Stadtvierteln von der diesjährigen Regelung profitieren werden, da sich sicherlich einige Besucher einen Besuch der Stadthalle nach dem Rosenmontagszug gut überlegen werden.
Man sollte hier sicherlich auch bedenken, dass die Stadthalle eine Einrichtung von Bürgern für Bürger ist (schließlich zahlen wir hier in jedem Jahr Unsummen drauf). Wenn die Brauchtumspflege für die Öffentlichkeit durch den Eintrittspreis von 5,00 Euro eingeschränkt wird, ist dies sicher nicht in Ordnung und nicht im Sinne aller Beteiligten - da macht auch das im Eintrittspreis enthaltene "Freigetränk" nicht wirklich viel aus.

Es kommt mir hier sicherlich nicht auf den Betrag von 5,00 Euro sondern auf das Prinzip an! Und nochmals, über den Sinn einer Security brauchen wir uns sicherlich nicht ernsthaft zu unterhalten (wenn es denn eine Security-Firma ist, die qualitativ auch den Anforderungen gerecht wird). Unsere Gruppe wird sich in diesem Jahr den Besuch sicherlich ersparen.

Vielleicht denken ja viele wie ich und meine Mail ist zumindest ein Denkanstoß!

Mit freundlichem Gruß

Ein Alsdorfer Bürger

Kurz darauf erhielt Gerd W. Antwort - von FOGA- und Stadthallenchef Alfred Sonders. Und auch dieser führt meines Erachtens treffende Argumente ins Feld. Von ihm erhielt ich ebenfalls die freundliche Genehmigung, seine Antwort hier zu veröffentlichen.

Alfred Sonders schreibt:

Lieber unbekannter "Alsdorfer Bürger",

Die Stadthalleschade, dass Sie sich nicht zu erkennen geben, damit man vielleicht mal offen über das Thema sprechen kann. Gleichwohl möchte ich ergänzend zu dem, was wir bereits zu dem Thema publiziert haben, deutlich machen, dass wir uns die Sache gewiss nicht einfach gemacht haben. Viele Jahre lang haben wir uns nach Kräften bemüht, den Rosenmontag bei freiem Eintritt beizubehalten, obwohl auch unser Haus beileibe nicht von Vandalismus an diesem Tag verschont geblieben ist. Leider ist die Situation im vergangenen Jahr jedoch ohne Einsatz von Sicherheitskräften nicht mehr handhabbar gewesen, daher mussten wir reagieren, nicht zuletzt, um unseren Gästen die Sicherheit zu gewähren, die sie beim Besuch unseres Hauses erwarten. Dies verursacht am Rosenmontag gut 2.500 Euro Kosten!

Diese können nicht zusätzlich einfach vom Wirt aufgebracht werden, der ohnehin bereits einen riesigen Kostenapparat (Brandwache, Disc-Jockey, Reinigung, Technisches Personal, Toilettenwache usw...) tragen muss. Und der Irrglaube, es werde ja so viel konsumiert, um alle Kosten zu decken ist zwar ein weit verbreiteter aber trotzdem ein Irrglaube! Wer also zahlt die Zeche für den Mehraufwand? Der Steuerzahler über ein höheres Defizit der Stadthallengesellschaft? Leider hat sich bisher niemand sonst angeboten. Und daher wird von jedem Besucher quasi eine Sicherheitsgebühr von letztlich 2,70 Euro erwartet, da der Rest ja in Form eines Getränks, das wohl sicherlich jeder, der zum Rosenmontagsball kommt, verzehren wird, zurück bekommt.

Wir sind - im übrigen in großer Übereinstimmung mit dem Mitveranstalter Festkomitee Alsdorfer Karneval und seinen angeschlossenen Vereinen - der Meinung, dass dies tragbar sein muss. Alle anderen Einrichtungen ähnlicher Größenordnung verfahren im übrigen genau so, weil die Kosten sonst nicht gedeckt werden können. Reich wird an diesem Tag sicherlich niemand, auch wenn die Veranstaltungsbesucher dies oft anders sehen wollen. Diese sehen aber leider auch nicht den Aufwand vor und nach den Veranstaltungen, sondern leider nur die drei Stunden Hochbetrieb, die man an diesem Tag hat. Dass etliche Zeitgenossen ihre Getränke auch noch mit ins Haus schmuggeln und uns dann den Müll noch hinterlassen, hunderte Gläser zu Bruch gehen oder einfach mitgenommen werden und so weiter will leider niemand anerkennen.

Wir hoffen daher sehr, dass diese Zeilen ein wenig aufklärend beitragen können und würden uns freuen, wenn Sie sich doch zu einem Besuch hier entschließen könnten, auch wenn Ihnen Ihre Sicherheit diesmal zusätzlich ganze 2,70 Euro (brutto!) Wert sein müsste. Wir sind uns unserer Aufgabe als öffentliche Einrichtung sehr bewusst und haben daher auch den Zugteilnehmern, die ja bereits immense Kosten zum Wohle der Allgemeinheit auf sich nehmen, zugesagt, dass sie von der Zahlung ausgenommen werden. Vielleicht tragen Sie auf dem Weg über Ihre Sicherheitsgebühr auch ein Stückweit dazu bei. Gern stehen wir auch persönlich zu Gesprächen zur Verfügung und wünschen Ihnen und Ihren mitfeiernden Freunden schöne "Tolle Tage", vielleicht ja doch in der Stadthalle?

Mit freundlichen Grüßen

Alfred Sonders / Geschäftsführer
Alsdorfer Freizeitobjekte GmbH
Stadthalle Alsdorf

Ich persönlich würde die fünf Euro aufbringen, denn allein die Tatsache, dass ein Sicherheitsdienst Flagge zeigt, hält so manchen Krawallbruder auf Distanz. So wünsche ich allen Alsdorfer Närrinnen und Narren einen knatschjecken, ausgelassenen Rosenmontag. In diesem Sinne: dreimohl Alsdörp alaaf!

Alsdorf, 13. Januar 2008