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Wenn man mich fragt, wie ich das Jahr 2007 für Alsdorf empfand, kann ich nur eins sagen: Es war das Jahr der Weichenstellungen. Der bedeutenden Weichenstellungen - für eine bessere Zukunft der Stadt. Im Ernst. Denn Bürgermeister Helmut Klein und der Rat trafen vor allem zum Jahresende wichtige Entscheidungen zum Wohle Alsdorfs. Aber der Reihe nach…

Förderturm und wildes SteppenlandAus meiner Sicht begann das Alsdorfer Jahr eigentlich genauso wie all die Jahre zuvor. Nur diesmal fing ich an, einmal genauer hinzuschauen. Beispielsweise bei meinen lustigen karnevalistisch inspirierten Exkursionen, die mich sowohl zum verfallenden Bergbaulehrpfad als auch durch diverse Parklandschaften (Foto) führten, an denen teilweise erheblich der Zahn der Zeit nagte. Nachdem die "Aachener Zeitung" wohlwollend über meine Web-Site berichtet hatte, fing ich mir prompt eine deftige Watschen ein. Von Harald Richter, dem Baudezernenten der Stadt höchst persönlich, der mir per E-Mail einen „unstillbaren Drang zur Nestbeschmutzung“ vorwarf und damit schlagartig aus dem Dunkel des Alsdorfer Rathauses ins helle Licht meines Interesses trat. Und was soll ich sagen? Ich schaute von nun an noch genauer hin und kam im Tagebuch mehr und mehr zu folgendem Befund: Es vergammelt, verfällt, verrottet und verkommt in Halden City.

Auch die Hängebrücke hat's erwischtDer Zufall spielte mir zudem ein Papier in die Hände, das ich als „Kästner Memorandum“ auszugsweise im Tagebuch veröffentlichen konnte. Es stammt aus dem Jahr 2003. Darin beklagten sieben Vereine den schon damals desolaten Zustand von Tier- und Freizeitpark. Geändert freilich hatte sich seit Präsentation des Papiers im Rathaus nix. Aber gar nix. Im Gegenteil: Es wurde noch schlimmer (Foto). Bis zufälligerweise wenige Tage nach Veröffentlichung der Unterlage durch „Alsdorf für Insider“ Gustl Rinkens, Chef der SPD-Ratsfraktion, die Notbremse zog und anregte, die Bewirtschaftung von Tier- und Freizeitpark in die Hände der FOGA (Freizeitobjekte GmbH Alsdorf) zu legen. Bürgermeister und Rat stimmten schließlich zu und inzwischen ist die Nummer durch. FOGA-Chef Alfred Sonders legte zum Jahresende ein Konzept vor - und ab 2008 stehen Tier- und Freizeitpark unter betriebswirtschaftlich orientierter Regie der FOGA. Eine kluge Entscheidung zum Wohle unserer Stadt, meiner Ansicht nach.

Chemikalien in der Rot-RuineDoch noch andere Themen beschäftigten mich. Zum Beispiel die mangelhafte Sicherung der Rot-Ruine, in der man darüber hinaus noch gefährliche Chemikalien (Foto) fand. Auch die mangelhafte Pflege von Parkanlagen und Stadtteilen mit erheblichem Unkrautwuchs waren Thema. Während der geschätzte Fachdezernent den wilden Pflanzenwuchs gar als „Bioexplosion“ und damit als eine Art Naturereignis, dem die Stadt nicht viel entgegen setzen könne, abtat, sah man dies bei der NRW-Landesregierung ein wenig anders. Ministerialdirigent Hans-Dieter Collinet beklagte in einem scharf formulierten Brief an die Stadtspitze die Situation - insbesondere im Anna-Park. Auch der Verfall der Schulen, sondersame Verkehrsführungen und weitere Spitzenleistungen machten die Sache nicht besser. Im Gegenteil. Mit einer Stellenanzeige, schließlich und ausschließlich auf der Website der Stadt Alsdorf veröffentlicht, leitete Bürgermeister Klein die Wende ein. Seine Personalentscheidung, endgültig verkündet im November, führte schließlich dazu, dass Baudezernent Richter sowie der Erste Beigeordnete Klaus Spille Kompetenzen abgeben mussten. Diese, formal im Ressort des Bürgermeisters angesiedelt, fallen ab Januar 2008 operativ in den Aufgabenbereich des neuen persönlichen Referenten des Bürgermeisters. Es ist der wirtschaftlich erfolgreiche Stephan Spaltner, bis Ende 2007 Chef der Alsdorfer VABW (Verein für Allgemeine und Berufliche Weiterbildung). Und obwohl Spille heftig opponierte, kam es, wie es kommen musste: Bürgermeister Klein setzte sich dank Rückendeckung aus dem Rat durch. Eine weitere kluge Entscheidung zum Wohle unserer Stadt.

Wer bekommt den Alsdorfer Abfall-Award?Neben diesen Entwicklungen waren auch die Situation des Alsdorfer Einzelhandels, 16 Monate von der Umgestaltung des Denkmalplatzes betroffen, sowie die erheblichen Leerstände in der Luisenpassage und anderen Bereichen der City Anlass für aktuelle Tagebucheinträge. Dazu der Dauerbrenner: Wilder Müll (Foto), mal hier mal dort, und nicht selten von Zeitgenossen aus anderen Kommunen in Halden City schwarz entsorgt. Ein bisschen was bewegte sich übrigens - nach Veröffentlichungen im Tagebüchlein. Was mich besonders freut: Der seit fünf Jahren per Absperrung zum Bauplatz deklarierte Parkplatz gegenüber dem Cinetower wurde wieder zum Parkplatz. Im Fokus der Wirtschaft: die für 2008 geplante Ansiedlung der Motorola-Logistik bei Cinram.

In Interviews beleuchteten Guido Back (Geschäftsführer des Salamander-Schuhhauses am Denkmalplatz), Franz-Josef Emundts  (Vorsitzender der BUND-Kreisgruppe Aachen Land) sowie Bernd Mortimer (Vorsitzender des CDU-Stadtverbands) Themen unserer Stadt aus ihrem eigenen Blickwinkel.

Gegen Ende des Jahres standen im Tagebuch darüber hinaus Porträts interessanter Menschen aus Alsdorf im Mittelpunkt: Christa Clemens-Bohnenberger, Nico und Det, die Inhaber des Kim-Store am Denkmalplatz, Johann Lehnhoff, Birgit Graf, der kleine Lennart und vor allem sein Vater sowie die Künstlerin Elke König waren meine Gesprächspartner. Natürlich gab's auch eine Hommage an meinen Alsdorfer Lieblingsstadtteil Begau, der leider auch nicht verschont blieb von Skandalen, Skandälchen und anderen erklärungsbedürftigen Ereignissen. Im letzten Quartal 2007 besuchten übrigens 2.500 bis 3.500 Leser im Monat meine Web-Site. Ihnen allen möchte ich an dieser Stelle für Ihr Interesse ganz herzlich danken. Und: Bleiben Sie mir auch in Zukunft gewogen.

Zu guter Letzt: Auch ein Rundflug über Stadt und Halden stand in diesem Jahr auf dem Programm. Denn was wäre Halden City ohne die künstlichen Berge aus der Zechenzeit?

Alsdorf, 31. Dezember 2007