Es war der wohl traurigste Tag in diesem Jahr: Der Bommel, unser guter Labrador, ist im Alter von neun Jahren von uns gegangen. Ein Hirntumor nahm ihm alle Kraft und Lebensfreude, so dass ihn der Tierarzt von seinem Leiden erlösen musste. Doch was tun ohne Hund? Ohne vierbeinigen Gesellen, mit dem ich jeden Morgen einen ausgiebigen Spaziergang in den Feldern rund um Begau unternehme und über viele Dinge nachdenken kann, bevor ich ins Büro fahre? Keine Frage, ein neuer Freund auf vier Pfoten sollte her. Natürlich aus dem Tierheim. Denn wir wollten wieder einen älteren Vierbeiner aus dem Asyl bei uns aufnehmen, um ihm ein Stück Lebensqualität zu bieten.
Und so haben wir viel im Internet recherchiert, viel telefoniert darauf hin. Schließlich wurden wir fündig. In Köln. Die Dame aus dem Tierheim fragte mich am Telefon nach den Charaktereigenschaften unseres Wunschhundes. Und ich sagte nur: „So wie der Bommel muss er sein. Ja, wie unser Bommel.“ Zunächst wusste sie nichts damit anzufangen. Und so beschrieb ich den Charakter unseres guten Bommel: lieb, sozial-verträglich, gehorsam, wachsam und: das war der Bommel auch, aber es störte kaum: verfressen.
Kurz darauf lernten wir die „Lola“ kennen. Lola, sieben Jahre alt, kam aus Spanien. Eine internationale Tierschutzorganisation brachte die Hündin nach Deutschland. Eine liebe anschmiegsame Schäferhund-Mix-Dame, die auf der Straße gelebt hatte und recht abgemagert wirkte. Vier Wochen lang durften wir sie „auf Probe“ zu uns nehmen. Und obwohl ich viele Jahre Erfahrung im Umgang mit großen Hunden besitze, bestand man im Kölner Tierheim auf Vorlage eines „Hundeführerscheins“. Also kontaktierte ich den Tierarzt unseres Vertrauens und absolvierte kurz darauf die Prüfung. Nun bin ich auch zertifizierter Hundefreund, sozusagen. Wow. Oder sagen wir besser: Wau. Die Lola hat sich gut bei uns eingelebt. Doch anfangs war sie schüchtern und auf einem Gebiet konnte sie dem guten Bommel leider kaum das Wasser reichen: in punkto Wachsamkeit. Während der kräftige Labrador längst nicht jeden über die Schwelle treten ließ und erst ein „Okay“ von Herrchen oder Frauchen einforderte, bevor er Einlass gewährte, ging die Lola einfach in Deckung. Ab ins Körbchen. Eingerollt.
Da kamen zum Beispiel zwei Männer vom Möbelhaus, um neue Küchenschränke zu montieren. Und Lola verzog sich natürlich in den Korb. Abermals: Husch, husch. „Einen schönen Wachhund habt Ihr da“, höhnte einer der Blaumann-Männer. Natürlich ärgerte ich mich, steckte das für die Monteure vorgesehene Trinkgeld wieder ein und geriet ins Grübeln. „Kopf hoch“, sagte Frauchen: „Die Loli ist eben kein Wachhund.“ „Das ist ja das Problem“, schnaufte ich. „Und was sollen wir machen, wenn es Herbst wird und die Einbruchsaison wieder losgeht?“ fragte ich. „Da findet sich schon eine Lösung“, entgegnete Frauchen sanft. Hmmm.
Ich grübelte und grübelte, bis ich nach einem Gespräch mit dem Tierarzt eine Lösung fand. Ein zweiter Hund musste her. Keine Frage. Also fuhren wir erneut ins Tierheim. Diesmal ins Aachener. Und dort trafen wir den Janosch. Janosch, acht Jahre alt, ist ein Labrador-Dogge-Mix. Hoch gewachsen und mit seiner weißen Schnauze und den großen braunen Teddybär-Kulleraugen sah er wirklich gemütlich aus. „Ja, der sieht so gemütlich aus. Den nehmen wir“, sagte Frauchen schon nach dem zweiten Spaziergang. Also entschieden wir uns für den Janosch, der übrigens auch im WDR-Fernsehen bei „Tiere suchen ein zu Hause“ vorgestellt wurde. Daheim angekommen, jedoch erlebten wir den „Jani“ von einer uns bis dato unbekannten Seite. Dominant, fordernd, krawallig. Frauchen erschrak und ich - wohl oder übel - musste dem in Wahrheit äußerst temperamentvollen Burschen erst einmal klarmachen, wer Koch ist und wer Kellner. Das war nicht ganz leicht. Aber nun läuft alles rund. Janosch ist lieb und bewacht - wie gewünscht - Haus und Hof und Loli hat erheblich an Selbstbewusstsein dazu gewonnen. Wau. So lässt auch sie niemanden mehr ohne Weiteres in die Hütte oder aufs Gehöft. Erst nach Rücksprache mit dem Jani, versteht sich.
Natürlich habe ich Lola und Janosch in Alsdorfs City Hall angemeldet. Und was soll ich sagen? Es war wirklich einwandfrei, wobei wir wieder bei einer der - jedoch diesmal nicht ganz so typischen - Halden-City-Stories wären. Denn ich muss sagen: Es war wirklich gut. Fast vorbildlich.
Aber der Reihe nach: Da ich an jenem Tag pünktlich ins Büro musste, bin ich schon um acht Uhr morgens im Rathaus aufgekreuzt, um die Sache mit der Hundesteuer zu regeln. Da das entsprechende Amt offiziell erst um halb neun öffnet, hatte ich mich auf eine halbstündige Wartezeit eingestellt, „aber vielleicht macht der Herr Frings ja schon früher auf“, sagte die freundliche Dame an der Anmeldung. Und so machte ich mich auf den Weg zum Hundesteuerbüro, klopfte an die Tür und: Herr Frings bat mich herein. Weit vor Beginn seiner offiziellen Dienstzeit, denn es war wenige Minuten nach acht. Ausgeglichen, ja gut gelaunt, nahm er mein Ansinnen zur Kenntnis, füllte entsprechende Formulare aus, überreichte mir zwei brandneue blau-silberne Hundesteuermarken und sagte: „Weil Ihre Hunde aus dem Tierheim sind, sind sie für die beiden folgenden Jahre von der Hundesteuer befreit.“ Befreit? Von der Hundesteuer? Unsere Hunde? „Ja“, wiederholte Holger Frings: „Alsdorfer Bürger, die Hunde aus dem Tierheim zu sich nehmen, zahlen bei uns zwei Jahre lang keine Hundesteuer.“ Super, dachte ich und verließ Freude strahlend das Büro. Und wandte mich dem Ordnungsamt zu. Und was soll ich sagen? Bereits fünf Minuten vor offiziellem Dienstbeginn saß ich FrankDohms gegenüber, dem ich meinen „Hundeführerschein“ übergab und Formulare zur Anmeldung der Tiere erhielt. Tja, was soll ich sagen? Beide kommunalen Bediensteten haben mich hinsichtlich ihrer Freundlichkeit und Serviceorientierung äußerst positiv überrascht. Doch es gibt noch einen Dritten im Bunde, dem jeder Alsdorfer Hundefreund zu Dank verpflichtet sein sollte. Es ist Heinrich Plum (SPD), stellvertretender Bürgermeister der Stadt Alsdorf, der Arnold Schwarzenegger der Kommunalpolitik. Plum nämlich war es, der vor langer Zeit schon beantragt hatte, dass Alsdorfer Bürger, die Hunde aus dem Tierheim aufnehmen, zwei Jahre lang keine Hundesteuern zahlen müssen. Und so zeigt sich: Alsdorf hat ein Herz für Tiere.