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Auf dem Begauer Friedhof ist leider nicht alles Gold, was glänzt. Zum Beispiel war das große doppelflügelige Eingangstor hinter der Trauerhalle schon eine ganze Weile mehr als sanierungsbedürftig. Daher überlegte sich der Begauer Schlossermeister Norbert Offergeld (links), wie man Abhilfe schaffen könne. Denn den heute 51-jährigen Handwerksunternehmer verbindet eine ganz persönliche Geschichte mit dem Tor. 1972, als er noch Lehrling war, half er bereits mit, die Metallkonstruktion zu reparieren. Da aus Sicht des Metallbaufachmanns eine weitere Reparatur der in die Jahre gekommenen Anlage nicht wirklich Ziel führend erschien, machte er sich seine Gedanken und kam auf eine wirklich glänzende Idee. In Eigeninitiative wollte er das alte Tor ausbauen und durch ein neues ersetzen. Und das neue Tor - das ist das Allerbeste an der Sache - sollte ein Geschenk an die Stadt Alsdorf sein.

Das neue Tor von OffergeldSo nahm der umtriebige Unternehmer Kontakt mit der Verwaltung auf, und fragte nach, ob es im Sinne der Stadt Alsdorf sei, wenn er für den Begauer Friedhof ein neues Tor stiften würde. Er bekam grünes Licht aus dem Rathaus und so machte sich die Firma Offergeld an die Arbeit. Im Frühjahr 2007 kam das neue Tor (Foto). Hätte die Stadt Alsdorf ein Unternehmen mit diesem Projekt beauftragt, wären Kosten von rund 1.400 Euro bis 1.800 Euro angefallen. Da es sich in der Begau schon herumgesprochen hatte, dass Norbert Offergeld ein neues Friedhofstor fertigte, „kamen sogar ein paar alte Damen vorbei und fragten, wie der Stand der Arbeiten sei“, berichtet Ehefrau Maria Offergeld. Schließlich kam der große Tag. Mitarbeiter der Firma Offergeld montierten das neue Tor aus grauem Metall. Zur Sicherheit fragte Norbert Offergeld noch einmal bei der Stadtverwaltung an, ob man ihm angesichts des privaten Engagements gestatte, ein Firmenschild anzubringen. Auch dazu erhielt er die Genehmigung. Und auch ein Dankschreiben für die beträchtliche Spende von rund 1.800 Euro bekam er.

Der unkundige Leser vermutet nun, dass sich Bürgermeister Helmut Klein persönlich für die lobenswerte Privatinitiative des engagierten Alsdorfer Bürgers bedankt hätte. Doch leider war das entsprechende Schreiben nur von einer Verwaltungsangestellten beziehungsweise einem Verwaltungsangestellten unterzeichnet. Ob der Bürgermeister gar nichts von dem Vorgang wusste? Auch einen Termin mit der Presse, der angesichts des besonderen Engagements durchaus angemessen gewesen wäre, gab‘s nicht.

So sieht es an der Kreuzschule aus Monate später fand eine offizielle Friedhofsbegehung statt. Die SPD-Ratsfrau Brigitte Hinkelmann, von der Freien Wählerinitiative ins Lager der Sozialdemokraten gewechselt, sowie die kommunale Fachgebietsleiterin Doris Keller hatten sich hierzu verabredet. „Den großen und kleinen Mängeln waren sie gemeinsam auf der Spur“, hieß es im „Alsdorfer Blättchen“, einem Flugblatt des SPD-Ortsvereins Mariadorf-Hoengen. Und obwohl von ihrer Seite noch kein Handschlag getan war, lautete die Überschrift des Polit-Werbeflyers: „Friedhof Begau: Inspektion führt zu Verbesserungen“. Im darunter stehenden Text waren dann allerlei Maßnahmen angekündigt. So sollte „die marode Zaunanlage an der Straße erneuert“ werden. Keine schlechte Sache an sich, denn schaut man sich den Zaun der alten Kreuzschule in Mariadorf (Foto links) an, bekommt man eine ungefähre Vorstellung, wie eine verfallene Zaunanlage in Alsdorf im Endstadium aussehen kann.

Der alte FriedhofszaunZwar war‘s mit dem Zaun (Foto rechts) vor dem Friedhof noch nicht ganz so schlimm. Trotzdem: ein lobenswertes Ansinnen. Neben dem Austausch eines defekten Glasbausteins an der Leichenhalle standen unter anderem noch die Überarbeitung von Parkbänken sowie das Entfernen kranker Bäume auf der Agenda. Schön wär‘s gewesen, hätten die beiden Publicity bewussten Friedhofsgängerinnen auch die Firma Norbert Offergeld irgendwie ins Boot geholt. Denn wie gesagt: Hier hatte man sich schon beträchtlich für die Stadt ins Zeug gelegt, was durch das Firmenschild am gestifteten Friedhofstor bereits deutlich zu erkennen war.

Der neue FriedhofszaunAber die Geschichte ist damit noch nicht zu Ende. Denn zu Beginn der vergangenen Woche errichtete die Alsdorfer Firma Metallbau Plum GmbH einen neuen grünen Metallzaun am Begauer Friedhof. Das Unangenehme an der Sache: Bei der Firma Offergeld, die eine gleiche Leistung hätte erbringen können, fragte die Alsdorfer Verwaltung noch nicht einmal nach einem Angebot. Das muss man sich einmal vor Augen halten: Die Stadt Alsdorf nimmt eine Spende an, der Bürgermeister bedankt sich nicht einmal, und wenn‘s um die Ausschreibung für ein passendes Projekt am gleichen Ort geht, erhält der Spender noch nicht einmal eine Anfrage. Da fragt man sich allen Ernstes: Lohnt es sich noch, in Privatinitiative Leistungen für eine solche Stadt zu erbringen, wenn‘s noch nicht einmal ein angemessenes Dankeschön geschweige denn die Einbeziehung in einen fachlich adäquaten Anbieterkreis gibt?

Doch wir können uns schon vorstellen, was am Ende geschieht: Wenn auch dieser Tagebucheintrag in der City Hall Kreise zu ziehen beginnt, schiebt‘s wieder einer auf den anderen. Keiner hat am Ende in irgendeiner Form irgendetwas zu verantworten. Wahrscheinlich entsteht sogar rege Geschäftigkeit, wenn‘s wieder einmal darum geht, Verantwortung abzuwälzen. Wie auch immer. Am Ende bleibt ein schaler Beigeschmack und der Bürger auf der Strecke.

Vor diesem Hintergrund beispielsweise sehe ich den aktuellen Spendenaufruf des Bürgermeisters für unseren Tierpark in einem ganz neuen Licht. Muss ich denn da wirklich spenden? Wenn ich sehe, wie‘s wirklich engagierten Bürgern in Alsdorf so ergeht. Und außerdem: Ich werde ja ohnehin schon des öfteren in Halden City zur Kasse gebeten. Zum Beispiel von unseren eifrigen Knöllchenjägern, die ganz gern vor dem schönen Blumengeschäft in Mariadorf lauern, wo ich Kunde bin. Doch das ist ein anderes Thema.

Dennoch soll dieser Tagebucheintrag ein Happy End erhalten. Stellvertretend für die inzwischen recht zahlreichen „Alsdorf für Insider“-Leser, möchte ich mich bei Ihnen liebe Frau Offergeld, lieber Herr Offergeld, für das großartige Engagement bedanken. Denn auch ich besuche häufiger den Begauer Friedhof und finde es einfach schön, wenn nicht alles vergammelt, verfällt, verrottet und verkommt, wie es beispielsweie an anderer Stelle durchaus der Fall ist. Wer übrigens in Sachen Metallbau Beratung und fachgerechte Unterstützung sucht, sollte sich auch nicht scheuen, mit der Firma Norbert Offergeld, Rolandstraße 12, Telefon: 02404 / 61681, Fax: 02404 / 61038, Kontakt aufzunehmen. Vielen Dank.

Alsdorf, 21. Oktober 2007