Es begann mit einer E-Mail, die ich am 20. September erhielt. „Hallo Udo, klasse Homepage. Wirklich toll und aus dem Herzen geschrieben…“, las ich und freute mich darüber. Als Absender zeichneten Nico und Det, Inhaber des Kim-Store, Rathausstraße 18, gegenüber der Stadthalle im Herzen Alsdorfs. Neugierig geworden, beschloss ich, den Kim-Store einmal zu besuchen. Am vergangenen Freitag machte ich mich auf den Weg. Det, der eigentlich Detlef Hunkel (Foto, links) heißt, arbeitete allein im Laden. Sein Freund und Geschäftspartner Nico Hafran (rechts) war nach Mönchengladbach gefahren, wo „unser“ Verein Alemannia Aachen am Abend im Zweitliga-Regionalderby auf die Borussia traf - und 2:1 unterlag.
Ich führte ein langes Gespräch mit Detlef, dessen Geschäft sich erfolgreich als so genannter Powerseller beim virtuellen Auktionshaus Ebay etablieren konnte. Spezialgebiet: Schallplatten, CD‘s, DVD‘s, PC-Spiele, zunehmend auch Comics. 250 bis 300 Artikel - angekauft oder im Kundenauftrag - versteigern Detlef und Nico pro Woche im World Wide Web. Und die Kunden sind hoch zufrieden. Denn Produkt, Sortiment und Service stimmen beim Kim-Store. Seit Bestehen des Auktionsgeschäfts im April 2004 kauften oder ersteigerten 12.687 Bieter beziehungsweise Käufer weltweit (Stand: 28. September 2007, 18:00 Uhr) Ware bei den beiden Alsdorfern. Der Zufriedenheitsgrad liegt nach Kunden-Feedback und Ebay-Ranking bei 100 Prozent, was nur wenigen Anbietern gelingt. Kompliment.
Es ist die Liebe zum Produkt, die in der erfolgreichen Arbeit der beiden Existenzgründer Ausdruck findet. Beide haben sich bei ihrem damaligen Arbeitgeber, dem CD- und DVD-Produzenten Cinram kennen gelernt, der damals Warner Music Manufacturing Europe und noch früher Record Service hieß. Detlef (39), gelernter Elektriker, war 15 Jahre in der Firma beschäftigt. Zunächst im Presswerk, dann in der „Drucktechnik“, wo Spezialmaschinen die glänzenden Silberscheiben im Sekundentakt einseitig mit Schriften und Bildern versehen. Nico, heute 32 Jahre alt, begann seine Schlosserlehre bei Cinram. 13 Jahre arbeitete er dort, zuletzt als Maschinenschlosser mit Detlef zusammen. In ihrer Freizeit streiften die beiden über Flohmärkte und kauften Sammlungen alter Vinyl-Platten, denn gute Musik ist bis heute ihre große Leidenschaft. „Als ich bei Warner anfing, und Friedrich-Carl Coch die Firma leitete, war alles anders. Menschlicher“, erinnert sich Detlef Hunkel. Sicherheit im Job, Anerkennung und nicht zuletzt die riesigen Weihnachtsfeiern als Dankeschön an die Belegschaft zum Jahresausklang gehörten zur Unternehmenskultur.
Nach dem Ausscheiden Cochs, der sich auch als Produzent des Musicals Gaudí einen Namen machte, und dem Verkauf der Firma an die kanadische Unternehmensgruppe Cinram, änderten sich die Verhältnisse. Der Kostendruck nahm zu, die Folge: Lohndumping. Zeitarbeitsfirmen, die in hartem Preiskampf untereinander standen, entsandten mehr und mehr Mitarbeiter in die Firma zu immer günstigeren Konditionen für den Auftraggeber. „Manche der neuen Kollegen verstanden kaum deutsch, und es war sehr schwer, ihnen ihre Aufgabe am Arbeitsplatz zu vermitteln“, sagt Detlef Hunkel. Anfang 2004 kam für ihn und Nico Hafran das Aus bei Cinram. Vollkommen unvorbereitet. Ein kurzes Gespräch. Das war‘s. „Ich dachte, ich falle in ein tiefes Loch“, sagt er. Gemeinsam mit rund 350 fest angestellten Kollegen, erhielten sie die Kündigung. „Wir waren einfach zu teuer“, fasst Detlef zusammen. Zum Glück hatten beide schon einen Plan B in der Schublade, und machten aus ihrem Hobby, dem An- und Verkauf von Schallplatten und CD‘s, ihren neuen Beruf. Im April 2004 starteten sie mit einem kleinen Laden am Übacher Weg. Im September 2006 kam der Umzug in das etwas größere, rund 40 Quadratmeter große Ladenlokal an der Rathausstraße, Ecke Luisenstraße.
„Hier war früher ein Tabak- und Pfeifenfachgeschäft“, berichtet Detlef. Nachdem der Inhaber verstorben war und dessen Erbe das Geschäft nicht fortführen konnte, zogen Nico und Det mit der Kim-Store GbR dort ein. Beide haben selbst renoviert. Unter der alten Tapete entdeckten sie Zeitungsblätter von 1966, die an die Wände geklebt waren. Das machte man in jenen Tagen so. Sollte warm halten. Eine Tradition des Pfeifengeschäfts, dessen verstorbener Inhaber übrigens Pfeifer hieß, haben Nico und Det bewahrt: den Verkauf von Busfahrkarten. Daneben sind die beiden inzwischen Partner des Hermes-Versands, mit dessen Hilfe sie monatlich Hunderte von Päckchen weltweit auf den Weg zum Kunden bringen. Zum Beispiel, wie jüngst geschehen, eine Langspielplatte von Adamo zu einem Liebhaber nach Japan.
Rund 4.000 Vinyl-Scheiben umfasst derzeit ihr Sortiment vor Ort. Daneben versteigern sie bei Ebay Ware im Kundenauftrag zu fairen Konditionen (20 Prozent Provision bei einem Wert unter 50,00 Euro, 15 Prozent Provision bei einem darüber liegenden Warenwert). Auch Recherchen führen sie im Web durch, um im Auftrag von Sammlern musikalische Raritäten zu erwerben. „Unsere Kunden finden wir weltweit“, sagt Detlef Hunkel. Ein Vorteil. Andererseits müssen sie sich im harten Wettbewerb behaupten. Weltweit. „Du kämpfst jeden Monat“, so der Jung-Unternehmer. Aber als richtiger Alsdorfer lässt man sich nicht unterkriegen. Eine Frage noch: Woher stammt der Name „Kim-Store“? Detlef lacht: „Kim ist der Nachname von Nicos Freundin“. Okay, ich weiß Bescheid. Ich wünsche Nico und Det viel Erfolg, gute Geschäfte und immer zahlende Kunden, und ich glaube, dass wir uns nicht aus den Augen verlieren…