Die CDU in Alsdorf hat eine schwierige Zeit hinter sich. Nachdem Manfred Rohr, bisher Vorsitzender der Ratsfraktion,von acht "Rebellen" aus dem Amt gedrängt worden war, gelang es Bernd Mortimer, ein Spaltung der Christdemokraten in der Stadt zu verhindern. So kam es erst später als geplant zu dem vorgesehenen Interview mit dem CDU-Stadtverbandsvorsitzenden und Ratsmitglied bei "Alsdorf für Insider". Mortimers Anliegen: Da Alsdorf eine schwierige Entwicklung hinter sich habe, gelte es, auch an dieser Stelle auf die positiven Aspekte in der Stadt hinzuweisen. Dazu verabredeten wir uns auch zu einer kleinen Rundreise, die vom ehemaligen Gelände der Zeche Anna ausgehend unter anderem auch nach Hoengen und Mariadorf führte.
Alsdorf für Insider: Herr Mortimer, kürzlich haben wir darüber gesprochen, dass Alsdorf viele gute Seiten hat. Wo sehen Sie diese?
Mortimer: Abgeschlossen haben wir den Strukturwandel nach dem Wegbrechen des Bergbaus, der in Alsdorf für mehrere Generationen Lebensgrundlage war, noch nicht. Aber es ist zu beobachten, dass die Stadt gute Schritte auf diesem Weg vorankommt. Aus der vom Bergbau hinterlassenen Industriebrache mit der ehemals größten Kokerei Europas sind der Anna-Park und das Anna-Park-Center mit ihren meines Erachtens hervorragend gestalteten Freiflächen entstanden, die den Bürgern Anreiz zur Erholung und Freizeitgestaltung bieten sollen. Ebenso wurde ein neues Wohngebiet mit einem großzügig ausgebauten und begrünten Straßennetz errichtet, in dem vor einigen Tagen im vierten Bauabschnitt das 165. Haus bezogen worden ist.
Frage: Was hat Alsdorf noch zu bieten?
Mortimer: Neben dem schon genannten Anna-Park verfügt Alsdorf nach wie vor über einen attraktiven Freizeitpark am Weiher, der von den Bürgern auch entsprechend frequentiert wird. Es ist keine Frage, dass bei begrenzten finanziellen Mitteln in der Stadtkasse immer wieder neu Prioritäten gesetzt werden müssen und in Bezug auf Pflege und Unterhaltung bestehender Anlagen beziehungsweise Neugestaltung einiges zu wünschen übrig bleibt. Das heißt jedoch nicht, dass diese Dinge völlig aus dem Blickfeld der Verantwortlichen gerückt wären. Die Stadthalle war und ist Anreiz für kulturelle Veranstaltungen, die jährlich rund 150.000 Besucher aus der Region anlocken. Im übrigen gibt es in Alsdorf ein reges und vielfältiges Vereinsleben.
Frage: Welche Standortvorteile bietet Alsdorf - beispielsweise für neu gegründete oder ansiedlungsinteressierte Unternehmen?
Mortimer: Standortvorteile sind voll erschlossene planungsrechtlich gesicherte Industrie- und Gewerbeflächen, mit aufwändig gestaltetem repräsentativem Umfeld, Stichwort: „Arbeiten im Park“.
Darüber hinaus haben wir eine hervorragende überregionale Verkehrsanbindungen:
- BAB A 44 - Lüttich (B) - Düsseldorf
- BAB A 4 - Maastricht (NL) - Köln
- Kurzfristig erreichbar der Verkehrslandeplatz Merzbrück
Außerdem:
- ÖPNV-Anbindung
- Nähe zur RWTH Aachen, FH Aachen und dem Forschungszentrum Jülich mit der Möglichkeit zur Rekrutierung von hervorragend ausgebildeten Arbeitskräften.
Intensive Unterstützung von Ansiedlungsvorhaben durch Rat und Verwaltung der Stadt Alsdorf.
Möglichkeit der Finanzierung und Errichtung von Betriebsgebäuden durch die Wirtschaftsförderungsgesellschaft Kreis Aachen mbH im so genannten „Public Leasing Verfahren“.
Weitere Fakten:
Lage im Wirtschaftsraum Euregio-Maas-Rhein:
- Im Radius von 50 Kilometern um Alsdorf leben rund 3,5 Millionen Einwohner.
- In einem weiteren Umkreis von 200 Kilometern befinden sich die wichtigsten Wirtschaftszentren der Europäischen Union mit einer Bevölkerung von 28 Millionen Menschen.
Zum Industrie- und Gewerbepark Alsdorf, kurz IGA:
IGA-Gewerbepark:
Ansässige Unternehmen seit 1990: 112, Beschäftigte: 870
Davon Existenzgründer: 72
Davon Spin-Offs der Hochschulen und Forschungseinrichtungen: sechs
mit fester Verkaufsoption belegt: 66.680 Quadratmeter
Noch frei (rund 27 Prozent): 167.850 Quadratmeter
Entstandene Arbeitsplätze: rund 1.400
IGA ist damit der beste Grundstücksvermarkter im Kreis Aachen.
Frage: In Baesweiler ist Wirtschaftsförderung Chefsache. Bürgermeister Dr. Willi Linkens hat die Ansiedlung neuer Firmen zu seinem ureigenen Thema gemacht. Ein Vorbild für Alsdorf?
Mortimer: Rat und Verwaltung der Stadt Alsdorf tun im Rahmen ihrer Möglichkeiten alles, um neue Betriebe anzusiedeln.
Frage: Es hat den Anschein, als ob „Alsdorf für Insider“ nur die negativen Aspekte in unserer Stadt thematisiert. In der Tat sind unsere ehemals wunderschönen Freizeitanlagen inklusive Tierpark verfallen. Auch die Brandruine der Firma Rot steht nach vielen Jahren noch. Und auch die Einzelhändler klagen, weil sie sich durch die Folgen der Bauarbeiten am Denkmalplatz in ihrer Existenz bedroht sehen. Ist das alles nicht ein bisschen viel für unsere kleine Stadt?
Mortimer: Es hat in der Tat den Anschein, als würde „Alsdorf für Insider“ lediglich vorhandene Negativpunkte, die es auch in der Stadt gibt, thematisieren. Negativpunkte gibt es überall mal auch in unseren Nachbarstädten. Nur sind die anderen so klug, ihre positiven Seiten herauszustellen und das, was an Mängeln vorhanden ist, nicht gerade auf ihre erste Seite zu setzen. Ein wünschenswertes Vorgehen auch für Alsdorf.
In Bezug auf die Brandruine der Firma Rot gibt es noch ein schwebendes Gerichtsverfahren.
Die Bauarbeiten zur Umgestaltung des Denkmalplatzes führten sicherlich zu einer beklagenswerten Situation für den Einzelhandel. Die nunmehr geschaffenen Kurzzeit-Parkplätze und die Möglichkeit zur kostenlosen Nutzung des Zentralparkplatzes (Foto) mit Zu- und Ausfahrt am Denkmalplatz (Randbebauung) entschädigen inzwischen doch für die ausgestandene Belastung während der Bauzeit.
Frage: Welche Möglichkeiten sehen Sie, um zumindest den Einzelhändlern in der City unter die Arme zu greifen?
Mortimer: Wir können nur die zuvor genannten Rahmenbedingungen anbieten. Für den eigenen Erfolg ist letztendlich das Engagement und die Kreativität jedes einzelnen Gewerbetreibenden gefragt.
Frage: Insgesamt betrachtet: Wie sehen Sie die wirtschaftlichen Perspektiven unserer Stadt?
Mortimer: Ich halte es für wichtig, dass Bürger, Politik und Verwaltung mit vereinten Kräften bemüht sind, die wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse in der Stadt so zu gestalten, dass man im friedlichen Miteinander vorwärts schreitet, Probleme gemeinsam anpackt und löst. Unter diesen Gegebenheiten kann ich die Perspektiven für die Zukunft der Stadt nicht nur im wirtschaftlichen Bereich positiv sehen. Es kommt aber darauf an, dass alle an einem Strang ziehen.