Seit März 2006 prägten sie das Bild: Schwere Baumaschinen im Einsatz bei der Umgestaltung des Denkmalplatzes im Herzen Alsdorfs. Für die Einzelhändler vor Ort eine bittere Pille. Obwohl der zentrale Platz in der Stadt demnächst hübsche Flaniermeile sein soll, beeinträchtigen die über einjährigen Bauarbeiten und deren Folgen die geschäftliche Entwicklung vor Ort erheblich. So wurde der Autoverkehr wegen der Bauarbeiten weiträumig umgeleitet. Dabei ist es verboten, von der Konrad-Adenauer-Allee nach links in die Bahnhofstraße in Richtung Stadthalle abzubiegen. Da es an den Bauarbeiten nichts zu rütteln gab, wagten die Alsdorfer Einzelhändler zum Jahrestag des Baubeginns Ende März 2007 einen Vorstoß, um zumindest den Autoverkehr wieder in die Innenstadt fließen zu lassen. Denn nach der Shoppingtour im gewaltigen Kaufland-Center (Foto) sollten potenzielle Kunden Gelegenheit erhalten, auch bei den Einzelhändlern in der oberen Bahnhofstraße und am Denkmalplatz vorbei zu schauen und nicht direkt Richtung Würselen abzudüsen. Mehr noch: Durch das Abbiegeverbot gingen die Umsätze in der Alsdorfer Einkaufsmeile drastisch zurück. Und noch mehr: Manch Einzelhändler sieht sich wegen ausbleibender Kundschaft in seiner Existenz gefährdet.
So war die prekäre Situation in der City der "Aachener Zeitung" einen dreispaltigen Bericht wert. Bertholt Strauch, Leiter der Alsdorfer Lokalredaktion, veröffentlichte am 30. März 2007 einen Text mit dem Titel „Stimmung auf dem Nullpunkt bei Geschäftsleuten der Bahnhofstraße“. Darin versprach Alsdorfs Baudezernent Harald Richter, nach Abschluss der Bauarbeiten das Abbiegeverbot wieder aufzuheben. Im Originaltext liest sich das so: „Auf Anfrage verteidigte Baudezernent Harald Richter die aktuelle Form der Verkehrslenkung. Sie stehe in Zusammenhang mit der Großbaustelle am Denkmalplatz, um Staus in diesem Bereich zu verhindern und die Situation für Fußgänger sicherer zu machen. Richter kündigte an, dass nach dem für Mai erwarteten Abschluss der Arbeiten entlang des Übacher Wegs (B221) das Abbiegeverbot wieder aufgehoben werden solle.“
Vorsorglich nahm sich auch SPD-Fraktionssprecher Gustl Rinkens im Interesse der Alsdorfer Kaufmannschaft des Themas an und wandte sich an Bürgermeister HelmutKlein. Nachdem es auch noch zu einer zeitlichen Verzögerung der Bauarbeiten gekommen war und der Abschluss-Termin im Mai nicht eingehalten werden konnte, kontaktierte Rinkens am 2. Juni erneut den Bürgermeister. Der schrieb am 8. Juni an den SPD-Politiker zurück (Zitat): „Eine Freigabe des Linksabbiegeverkehrs aus der Konrad-Adenauer-Allee in die Bahnhofstraße soll bis zur Beendigung der Baumaßnahme zurückgestellt bleiben.“ Und weiter (Zitat): „Die Verwaltung hat alle Vorbereitungen getroffen, kurzfristig nach Beendigung der Bautätigkeiten den von Ihnen angesprochenen Linksabbiegeverkehr probeweise freizugeben.“ Fassen wir also zusammen. Zwei Versprechen stehen im Raum: eins vom Herrn Baudezernenten, eins vom Herrn Bürgermeister. Tenor: Wenn die Bauarbeiten am Denkmalplatz abgeschlossen sind, ja dann können auch wieder Autos aus der Konrad-Adenauer-Allee kommend direkt über die Bahnhofstraße in die City rollen. So weit, so gut.
Und was ist inzwischen passiert? Nun, im Zuge einer Vollsperrung des Denkmalplatzes am 23. Juni kam nach Teerdecke und Straßenmarkierungen das Ende der Bauarbeiten am Übacher Weg. Und die Linksabbiegeregelung? Hm, welche Linksabbiegeregelung? Da tat sich natürlich nix. Es blieb so wie es war. Habe ich selbst ausprobiert. Heute ist der 15. Juli. Die Alsdorfer Einzelhändler ärgern sich nach wie vor grün und blau. Und passiert ist: nix. So ist das nun einmal mit Versprechen in Halden City. Mit Versprechen ist man schnell dabei. Aber mit dem Einlösen des Zugesagten ist das am Ende so eine Sache. Doch auch wenn man wollte, könnte man von heute auf morgen die Linksabbiegeregelung wahrscheinlich nicht aufheben. Denn: Es sind Schulferien in Nordrhein-Westfalen und die für das Thema Bau in der City Hall zuständigen Mitarbeiter, namentlich Harald Richter, Axel Kästner und Michael Göttgens, sind in Urlaub. Und zwar alle. Gleichzeitig. Zumindest bis Ende vergangener Woche, so weit reicht meine Recherche, waren sie alle weg.
Angesichts der unbefriedigenden Situation versuche ich nun aus der Not eine Tugend zu machen. Ich biege nach dem Kaufland-Besuch also rechts ab und versuche nun vor der Glückauf-Schranke nach links über die Weinstraße beziehungsweise Broicher-Straße zurück ins Zentrum zu gelangen. Dort stoße ich zunächst auf ein psychologisches Hindernis: eine rote Ampel auf der linken Straßenseite vor dem Bahnübergang nämlich. Als Udo Normalautofahrer halte ich erst einmal an, bis ich von einem BMW älteren Baujahrs überholt werde, der entschlossen in Richtung Weinstraße abbiegt. Da wird mir plötzlich klar, dass ich einem Irrglauben aufgesessen bin - wie mein Hintermann und dessen Hintermann übrigens auch, wie ich im Rückspiegel erkenne. Denn wäre hier auch das Abbiegen vor der Schranke durch Ampelschaltung geregelt, müsste laut Straßenverkehrsordnung zusätzlich ein Pfeil im Signallicht sichtbar sein. Wie auch immer: Es ist alles nicht leicht in Halden City.