Sein Name ist derzeit in aller Munde: Harry. Nein, es handelt sich nicht um den britischen Thronfolger, dessen mögliche militärische Auslandseinsätze Gegenstand zahlreicher Spekulationen sind. Vielmehr sei die Rede von einem anderen Harry. Einem Harry der Superlative. Harry Potter nämlich. Der neue Film (Titel: Harry Potter und der Orden des Phönix) wird noch in diesem Monat in unseren Kinos anlaufen. Auch ein neuer Band um den talentierten Junior-Zauberer, der siebte an der Zahl, steht vor dem Verkaufsstart. Ja, Harrys Ruhm ist so außergewöhnlich, dass auch alpenländische Humoristen die Figur adaptierten. In deren Version geht‘s um einen gewissen „Eddy Stotter“ - gemeint ist der bayerische Ministerpräsident. Ja, es ist schon ein Phänomen: Die Menschen lieben Märchen - weltweit. Das zeigt sich aktuell auch an den Kinokassen. „Shrek III“, die Geschichte um den wuchtigen Oger samt knallgrüner Prinzessin, Esel und gestiefeltem Kater, sorgt derzeit für volle Lichtspielhäuser. Ebenso der dritte Teil des „Fluch der Karibik“, einem Grusical, in dem Johnny Depp, nomen non est omen, abermals als genialer Piraten-Käpt‘n Jack Sparrow brilliert.
Angesichts dieser Entwicklung wäre es aus meiner Sicht nur logisch, könnte auch Halden City vom globalen Märchentrend profitieren. Mir kommt da auch schon ein Gedanke. Wie wäre es, wenn wir in Alsdorf einen Themenpark für Kinder mit allerlei Szenen aus bekannten Märchen präsentieren würden? Die Idee ist wirklich nicht abwegig, konnte ich mich kürzlich doch im niederländischen „Efteling“-Park vom ökonomischen Erfolg eines solchen Konzepts überzeugen. Neben den wunderschönen Attraktionen für Kinder spricht vor allem das effiziente Entsorgungssystem für sich. Genial: die sprechenden Mülleimer. Ist wirklich wahr. Jeder Kübel hat ein knatschbuntes Gesicht mit breitem Mund. Dazu eine elektronische Stimme, die nur zwei Wörter wiederholt: „Papier - hier, Papier - hier“. Und so weiter. Einfach Spitze. Da rennen die Kleinen voller Begeisterung hin, um den quatschenden Tonnen den Abfall freiwillig in den Rachen zu schieben. So ein Modell könnte ich mir auch für Halden City vorstellen, wäre da nicht das Problem mit dem Vandalismus. Aber das führt an dieser Stelle ein wenig zu weit.
Ja, so ein Märchenpark, das wäre wirklich eine Attraktion für Alsdorf. Nur: Wo sollte man ihn errichten? Auch auf diese Frage habe ich bereits eine Antwort. Mir kommt da nämlich der ehemalige Sportplatz des Alsdorfer Gymnasiums in den Sinn. Im April des Vorjahres war ich bereits da. Damals war noch der rote Aschenbelag erkennbar. Und auch damals hatte ich schon eine Idee für ein innovatives Nutzungskonzept. Als Filmkulisse nämlich - für eine Science-Fiction-Produktion um den roten Planeten. Unter dem Titel „Mars macht mobil“ hatte ich im Tagebuch meine Ideen dazu zusammengefasst. Heute sieht der ehemalige Sportplatz anders aus. Eine dichte Vegetation breitet sich auf dem roten Belag aus. Vereinzelt sprießen junge Bäume (Foto).
Ein Bewuchs, der ein wunderschönes natürliches Ambiente für Installationen eines Märchenparks bietet. Mit Figuren wie Schneewittchen, Dornröschen, dem Froschkönig, kurz: allem, was die Sammlung der Gebrüder Jakob und Wilhelm Grimm hergibt. Zwar mag ich auch Walt Disney‘s Donald, Daisy, Dagobert & Co. Aber Entenhausen findet sich bereits auf allen Kontinenten. Warum also auch noch bei uns? Es könnte wirklich schön sein: Kinder mit ihren Eltern betrachten Märchenfiguren in liebevoll gestalteter Kulisse - und erleben zugleich zentrale Szenen der Erzählungen. Elektronisch animiert entfalten die Alsdorfer Märchenfiguren aus Kunststoff oder Pappmachée in kurzen Dialogen Liebreiz und einen ganz eigenen Charme. Zum Beispiel in der Schlüsselszene des Märchens „Rotkäppchen“. Sie wissen schon, das kleine Mädchen, das mit Kuchen und Wein die Großmutter besucht und dabei eine Überraschung erlebt:
Rotkäppchen: Großmutter, warum hast du so große Augen? Großmutter alias Wolf: Weil ich jede Nacht vor dem PC hocke, um im Internet neues über Halden City zu erfahren. Rotkäppchen: Großmutter, warum hast du so eine große Nase? Großmutter: Weil hier unsere Kohle zum Fenster rausgeschmissen wird. Das stinkt wirklich zum Himmel manchmal. Rotkäppchen: Großmutter, warum hast du so einen großen Mund? Großmutter: Damit ich mich besser beschweren kann, wenn ich vom Präsenzdienst wieder eine Knolle wegen Falschparkens bekommen habe. Rotkäppchen: Ach so. Großmutter: Ach ja. Sonst noch was? Rotkäppchen: Ne, lass mal. Großmutter: Bevor du dich wieder vom Acker machst, lass die Pulle Wein da. Ist wirklich zum Weinen hier. Und jetzt: zisch ab!
Nur wenige Schritte weiter könnte sich ein ähnlich harmonisches Gespräch abspielen. Am Pfefferkuchenhaus der Hexe nämlich. Denn dort probieren Hänsel und Gretel von Aachener Printen und Alsdorfer Koks, dem feinen Schoko-Naschwerk eines kreativen Konditors aus Halden City. Hexe: Knusper, knusper, knäuschen: Wer knuspert da an meinem Häuschen? Hänsel und Gretel: Der Wind, der Wind, das himmlische Kind. Hexe: Ach ihr seid‘s, Hans und Grete, ihr Schwachnudeln. Nur für dumm verkauft, wird man in dieser Stadt…
Lassen wir‘s damit einmal gut sein. Und widmen uns den harten Fakten. Denn auch für diejenigen, die bislang handfeste Tatsachen aus der Kommunalpolitik an dieser Stelle vermissten, anbei nun einige Infos. So hat das Gutachten zur aktuellen Begutachtung des Verfalls (Architekten, Ingenieure, sonstige) unseres Städtischen Gymnasiums schlappe 225.441,38 Euro gekostet. Die geplanten Kosten für die Sanierung des Gebäudes belaufen sich bis 2010 auf 8,7 Millionen Euro. Ähnlich sieht‘s auf der gegenüberliegenden Straßenseite bei der ebenfalls maroden Realschule aus. Bislang offiziell aufgelaufene Gutachterkosten - zum Schnäppchenpreis: 89.462,70 Euro. Geplante Sanierungskosten bis 2010: 8,8 Millionen Euro. Insgesamt will die Stadt Alsdorf 24,5 Millionen Euro bis 2010 in vier Schul- und Turnhallenprojekte investieren.
Rechnet man allein die Mitte Juni bekannt gewordenen Gutachterkosten für acht marode Schulen, darunter Gymnasium und Realschule, zusammen, kommt man bereits auf ein Sümmchen von 428.316,64 Euro. Tja, so sieht‘s am Ende aus, wenn man für Pflege und Wartung bestehender Gebäude und Anlagen keine Kohle lockermachen will. Dann steht die Frage im Raum: Sanierung oder Neubau, wie wir es kürzlich im Falle des Gymnasiums erlebten. Aber, was soll ich sagen? Auch Architekten, Bauingenieure und sonstige Sachverständige wollen schließlich leben. Nur: Die Haushaltslage Halden Cities ist dermaßen angespannt, dass Alsdorfs Kämmerer jüngst den Dispo, sprich Überziehungskredit, der klammen Kommune von 40 auf 80 Millionen anheben lassen wollte. Was der Rat angesichts der immensen Kreditkosten nicht genehmigte. Am Ende sind wir doch wieder beim Märchenthema angekommen. Denn wir brauchen wirklich einen Goldesel, um aus der Nummer wieder rauszukommen…