In der vergangenen Woche habe ich es angekündigt: Die Veröffentlichung einiger Auszüge aus dem „Kästner-Memorandum“, einer Denkschrift Alsdorfer Vereine aus dem Jahr 2003, die den dramatischen Verfall unserer Freizeitanlagen dokumentiert. Unter Federführung des städtischen Architekten Axel Kästner nehmen die Verfasser des 20-seitigen Papiers kein Blatt vor den Mund. Manches liest sich gar, als hätte „Alsdorf für Insider“ im Geiste mitgewirkt. Und was ist geschehen, nachdem Rat und Verwaltung das Papier erhalten haben? Nicht viel. Ein bisschen - mancherorts. Auch darauf möchte ich an den entsprechenden Stellen im Anschluss an die jeweils zitierten Textpassagen aus Kästners Denkschrift - im folgenden kursiv - eingehen.
Zunächst eine Beschreibung der - man darf getrost sagen: glorreichen - Vergangenheit:
„Die Tageserholungsanlage Broichtal wurde ab 1976 in etwa achtjähriger Bauzeit errichtet… In der Bergbauzeit der Stadt Alsdorf war die Anlage eine Erholungsoase im Aachener Nordkreis - mit Besucherzahlen an Wochenenden bis zu 10.000 Menschen und mehr. Die Besucher waren nicht nur Alsdorfer Bürger. Sie kamen aus dem gesamten Aachener Raum, bis Düren und Heinsberg, aus dem benachbarten Limburg und aus Belgien… Open-Air-Veranstaltungen der verschiedensten Bereiche wurden veranstaltet. Das Spielhaus wurde nach dem Bau der großen Trafostation die technische Zentrale zur Durchführung multikultureller Veranstaltungen.“
Darauf folgt eine Darstellung der schon 2003 prekären Situation:
„Wenn den Verantwortlichen die Bedeutung der Tageserholungsanlage Broichtal für die Stadt Alsdorf noch bewusst wäre, würde sie nicht so verrotten können! Wir glauben nicht, dass dies hauptsächlich am bei der Stadt fehlenden Geld liegen kann. Wir glauben vielmehr: Es liegt eben daran, dass die Tageserholungsanlage Broichtal mehr als lästiges Unterhaltungsobjekt und weniger als für die Stadt bedeutend angesehen wird… Heute ist die Anlage in weiten Teilen unbrauchbar. Abgerissene Einrichtungen und Anlagen werden nicht mehr ersetzt und wenn, dann meist geschmacklos. Der Rest rottet vor sich hin… Die Freibadeinrichtungen vergammeln. Die Kosten notwendiger aber ausbleibender Reparaturen werden von Jahr zu Jahr höher - bis zur Frage: Abriss oder Neubau? Animationen und Veranstaltungen - bis auf die jährliche Großkirmes zum Europafest - fehlen völlig. Es scheint niemanden zu geben, der sich engagiert , verantwortlich fühlt.“
Weitere Details darf ich Ihnen keinesfalls vorenthalten:
„Der Floßteich (Foto oben) - über eine mit Mosaiken belegte Eidechse gespeist (Foto rechts) - ist nur noch Teich. Das einfache Holzfloß - ein besonderes Vergnügen für Kinder - gibt es nicht mehr. Das Floßskelett ist im vorletzten Jahr (2001 - d. Red.) am Ufer verrottet. Der Froschteich, präsentiert sich als trockenes Betonbecken - zum Abfallbehältnis verkommen.
Der Schaffrath-Brunnen sieht ekelerregend aus. Die Wackel- und Hängebrücken (Foto links) im selben Bereich sind schon lange, weil baufällig, gesperrt… Im extensiven Bereich ist das Pfahldorf - sehr gern von Kindern bespielt - ersatzlos abgerissen worden (Foto unten). Das war keinesfalls nötig! Wusste man bei der Stadt nicht mehr, dass der NABU dafür eine Patenschaft übernommen hatte?… Die Steganlage am Eisvogelteich wurde abgerissen und teilerneuert. Was ursprünglich zum Zwecke des Tierschutzes vermieden wurde, ist heute einzige Attraktion: Das Betreten der kleinen Insel im Teich. Die überdachte Beobachtungsplattform wurde nicht ersetzt…
Der große Beobachtungs-Aussichtsturm ist immer wieder mal gesperrt, weil die Schutzgeländer morsch sind, oder weil an der unteren Aufstiegstreppe Stufen oder Geländer verrottet sind. Inzwischen ist die Aufstiegstreppe entfernt und der Turm damit nicht mehr zu besteigen. Die Tennisplätze unterhalb Ofdens bedürfen dringend einer Sanierung. Der Tartanbelag ist stark beschädigt. Wird er nicht bald saniert, ist er vollständig zu erneuern. Alle kleineren Spiel- und Aufenthaltsflächen sind nicht mehr als solche zu bezeichnen. Alle Sitzgelegenheiten sind verrottet. Die Sandflächen mit den verrosteten Fundamenten früherer Spielgeräte stellen eine nicht unerhebliche Unfallgefahr dar und dienen nur noch als Katzen- und Hundeklo. Die Seilbahn hier funktioniert inzwischen auch nicht mehr. Die Spielgeräte für Kleinkinder auf dem kleinen Spielplatz gegenüber der Grünanlage in Ofden bergen eine besondere Absturzgefahr. Zum Glück ist das Hochklettern für Kleinkinder wegen fehlender kleiner Leitern schwierig.“
Passiert ist daraufhin? Fast nix. Bis auf ein paar Kleinigkeiten: Der Froschteich befindet sich in Obhut des Stadtmarketingvereins. Hier mühen sich wackere Privatiers, um durch so genannte „Froschteichfeten“ den mit Beton eingefassten Tümpel als Kinderspielplatz zu erhalten. Regelmäßig indes zerstören Vandalen die Anlage. Und wie reagiert die Stadtverwaltung? Ist doch klar. Tatenlos schaut man in der City Hall zu. Der Aussichtsturm übrigens ist inzwischen längst abgerissen und auch den Schaffrath-Brunnen sollte ein ähnliches Schicksal ereilen, wie aus einem Papier der Stadtverwaltung (Autor: Baudezernent "Denkmal-Harry" Harald Richter) zu entnehmen ist.
Zum Alsdorfer Weiher und zum Freibad:
„Während der Pächter des Alsdorfer Weihers den Kahnbetrieb mit den damit verbundenen baulichen Anlagen so gut wie möglich aufrecht erhält - auch die Bootsstegeanlagen sind morsch -, verrottet die Freibadanlage nahezu vollständig. Die Badestege sind teilweise eingebrochen und insgesamt nicht mehr standsicher.“
Passiert ist? Fast nix. Bis auf die Tatsache, dass Denkmal-Harry von einer Spielanlage namens „Elephant Bay“ im Freibadareal des Weihers schwadronierte und eine recht neue Elefantenskulptur aus Metall trist auf das trübe Wasser schaut. Ansonsten wurden die Badestege im vergangenen Jahr von Mitarbeitern des Technischen Hilfswerks abgerissen.
Zum Spielhaus:
„Das abgebrannte Spielhaus war zentrale Station für Technik und Animation im Freizeitpark… Seit etwa einem Jahr liegt eine baugenehmigte Planung für den sehr günstigen Bau eines Spielhauses in Form einer Burg mit vier Türmen in Massivbauweise vor, die zwei bei der Stadt beschäftigte Architekten der Stadt geschenkt hatten“
Passiert ist? Nix. Die Architekten mögen schon ein wenig enttäuscht sein. Aber was soll ich sagen? Kopf hoch, Freunde, was darf man schon vom kommunalen Spitzenmanagement in Halden City schon erwarten?
Die Teiche zwischen B 57 und am Kellersberg:
„Zu beklagen ist, dass nach Regenfällen die Kloake aus den Wildschwein- und darunter liegenden Gehegen in unzulässiger Weise oberirdisch in die Teiche läuft - und von dort, wenn auch verdünnt, in den Broicher Bach -, weil die Kanalleitungen vermutlich verstopft sind. Hier muss der Tierparkverein unverzüglich Abhilfe schaffen. Die Jauche stinkt nicht nur zum Himmel, es wird auch gegen Umweltgesetze verstoßen.“
Passiert ist? Ein Drama. Getreu dem Motto: Wildschweinragout statt ökologisch orientiertes Klärsystem, hat man sich seitens der Verwaltung dafür entschlossen, sämtliche Schwarzkittel im Gehege mit Jagdgewehren abknallen zu lassen. Grund: Für biologische Klärgräben mit Schilfbewuchs mochte die Stadt kein Geld ausgeben. Stattdessen wurden billige Steingräben - Rigolen genannt - ohne Reinigungseffekt, dafür mit kosmetischer Wirkung für den Betrachter, angelegt. Die ehemaligen Wildschweingehege (Foto) stehen übrigens seit der Keiler-Exekution bis heute leer.
Lassen wir es an dieser Stelle einmal gut sein. Denn wir sehen: Neben dem Schweine-Mord erleben wir die systematische Demontage unserer Freizeitanlagen über Jahre hinweg. Und der klägliche Rest gammelt weiter vor sich hin. Daneben versucht die Verwaltung, allen voran Denkmal-Harry, mit großem Eifer den Bürgern Sand in die Augen zu streuen und von der prekären Situation abzulenken. Entsprechend verfasste er 2005 als Antwort auf das „Kästner-Memorandum“ ein belangloses Papierchen. Und weil die Unterlage wirklich spitzenmäßig ist und „Alsdorf für Insider“ ebenfalls vorliegt, stelle ich Ihnen demnächst unter dem Titel "Das Harry-Papier" auch daraus einige Auszüge im Tagebuch vor.